Toter Lehrer, guter Lehrer (Thorsten Sueße)

Veröffentlicht 9. Oktober 2012 von erlesenebuecher

Gymnasium, Klappmesser & Esperanto

Appetithäppchen: Hannover-Linden. Sebastian Rokahr, ein 18-jähriger Schüler des Hermann-Hesse-Gymnasiums, wird ermordet in seiner Wohnung aufgefunden. Sein Tod gleicht einer Hinrichtung. Das streckenweise kriminelle Verhalten des Opfers passte so gar nicht in das bisherige Bild der Lindener Vorzeigeschule: Diebstahl, Erpressung, sexuelle Belästigung einer Lehrerin, Kontakte zu Drogendealern und Einbrechern aus dem Hannoverschen Rotlichtmilieu. Außerdem hatte der intelligente und wortgewandte Sebastian einen psychologischen Kriegszug gegen einen seiner Lehrer, Carsten Sonneberg, geführt und diesen über Monate im Unterricht gedemütigt. Sonnenbergs Frau Anna und ihr Kollege Bernd Kramer, zwei couragierte Lehrkräfte des Lindener Gymnasiums, sind bereit, sich auch mit unkonventionellen Maßnahmen für die Belange ihrer Schüler einzusetzen. Das führt sie ins Rotlichtviertel von Hannover, wo sie in eine lebensbedrohliche Situation geraten – und Bernd Kramer unter Mordverdacht. Zwei weitere Opfer, die eine Verbindung zum Hermann-Hesse-Gymnasium aufweisen, werden in ihren Wohnungen ermordet. Die polizeiliche Rekonstruktion der Geschehnisse am Tatort verweist auf einen Serienmörder. Welche Rolle spielt dabei die Plansprache Esperanto, die Sebastian und einige Personen seines Umfelds perfekt sprechen? Dr. Mark Seifert, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Region Hannover und Psychiater mit kriminalistischem Spürsinn, hat einen guten Grund, sich zunehmend mit der geheimnisvollen Mordserie zu beschäftigen: seine Zuneigung zu Anna Sonnenberg, die alle Opfer gekannt hat. Er ahnt nicht, in welch tödliche Gefahr er sich dadurch begibt…

Verfasser: Dr. med. Thorsten Sueße, geboren 1959 in Hannover, verheiratet, zwei Kinder, wohnt seit vielen Jahren mit seiner Familie am südlichen Rand seiner Geburtsstadt. Er ist Facharzt für Psychatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, leitet den Sozialpsychiatrischen Dienst der Region Hannover. Bei der Darstellung der Handlung des vorliegenden Kriminalromans orientierte er sich an seinem eigenen Arbeitsalltag, der durch eine regelmäßige Zusammenarbeit mit der Polizei Hannover geprägt ist. Der Autor veröffentlichte bisher unter anderem ein Fachbuch über die NS-„Euthanasie“ in Niedersachsen, ein Theaterstück und zahlreiche Kurzgeschichten in diversen Anthologien, außerdem schrieb er ein Drehbuch für einen Spielfilm. Daneben betätigte er sich als Schauspieler, hauptsächlich im Bereich Theater, hatte aber auch Sprechrollen in Fernseh- und Kinoproduktionen. Er ist Mitglied im Bundesverband junger Autoren und Autorinnen.

Meine Meinung: Dies ist mein zweiter Hannover-Krimi und jedes Mal ist es etwas Besonderes. Das nimmt einen einfach ganz anders in die Geschichte mit hinein, wenn man die Umgebung, die Straßen und die Etablissements kennt. Und bei diesem Buch kommt noch hinzu, dass die Geschichte an einem Gymnasium in Linden-Süd spielt, das ich besonders gut kenne! Großartig! Man kann sich alles ganz genau vorstellen und ich habe mich in den letzten Tagen erwischt, als ich die Schule betrat, dass ich dachte, ich bin mitten in der Geschichte von Sueße (wobei die kriminelle Handlung, die an diesem Gymnasium in dem Buch stattfindet, völlig fiktiv ist), da er die Räumlichkeiten und Atmosphäre so gut beschreibt.

Die Geschichte ist so vielschichtig und interessant gestaltet, dass man bis zuletzt keine wirkliche Ahnung hat, wer nun der Mörder ist. Es lässt sich leicht und flüssig lesen, wobei mir manchmal etwas Wärme in der Ausdrucksweise gefehlt hat. Der Schreibstil ist teilweise eher geprägt von einer umfangreichen informativen Art, ohne aber in Fachsprache abzudriften. Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass der Autor eben über seine eigene Arbeit schreibt. Das Werk wirkt sehr gut recherchiert. Und gerade für Hannoveraner ist es toll zu lesen, welch wichtige Arbeit in den verschiedenen Gebäuden der Stadt getan wird.

Lange Zeit habe ich überlegt, ob mich die Darstellung der Lehrer stört. Es werden vor allem zwei Gruppen beschrieben: Zum einen höchst engagierte Lehrer, die sogar in ihrer Freizeit dubiose Aktionen starten, nur um ihre Schüler zu schützen und zum anderen Lehrer, die eher Flaschen sind, keinerlei Autorität besitzen und dadurch von den Schülern gedemütigt werden. Ich kann mich mit beiden Gruppen nicht wirklich anfreunden. Allerdings ist es erfreulich, dass der typisch gestresste Lehrer mit Burnout fehlt.

Leider fand ich die letztendliche Auflösung nicht gut. Also die Story an sich war super, aber die Art und Weise hat mich gestört. Dem Leser wird die Lösung der Morde einfach so vor den Latz geknallt. Es fehlt, dass man an der Seite eines Protagonisten Stück für Stück das Puzzle zusammensetzen kann. Schade!

Insgesamt aber trotzdem ein toller Krimi, der eine gute, spannende Geschichte an großartigen Schauplätzen zu bieten hat. Für jeden Hannoveraner ein Muss und allen anderen wärmsten empfohlen!

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Verlag: CW Niemeyer (2012)

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