Auschwitz (Sybille Steinbacher)

Veröffentlicht 29. August 2013 von erlesenebuecher

Stammlager, IG-Farben & Musterstadt

Appetithäppchen: Dieses Buch bietet einen komprimierten Überblick über die Geschichte von Auschwitz. Sybille Steinbacher erläutert, warum gerade dieser Ort zum Standort eines Konzentrationslagers wurde, stellt knapp und präzise alle Aspekte des Geschehens am zentralen Schauplatz des Massenmords dar und schildert abschließend die juristische Verarbeitung sowie die Auseinandersetzung um die „Auschwitz-Lüge“.

Verfasserin: Sybille Steinbacher ist Hochschulassistentin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum. Sie hat mehrere Publikationen zur Geschichte der Konzentrationslager und ihres sozialen Umfelds vorgelegt, darunter „<Musterstadt> Auschwitz. Germanisierungspolitik und Judenmord in Ostoberschlesien“ (2000) und „Dachau. Die Stadt und das Konzentrationslager in der NS-Zeit“ (1993).

[Verlag C. H. Beck (2004)]

Meine Meinung: Ich mag die C. H. Beck Wissen-Reihe sehr gerne. Leider ist es aber immer etwas ambivalent, da ich zum einen den knappen, kurzen, auf die wesentlichen Fakten reduzierten Überblick schätze. Ich aber zum anderen manchmal die Tiefe oder Ausschmückungen, Anekdoten, Einzelschicksale vermisse.

So war es natürlich auch bei diesem Band wieder eine Gradwanderung, allerdings dieses Mal bei einem sensiblem Thema. Frau Steinbacher schildert nüchtern, sachlich und knapp die Geschichte von Auschwitz. Obwohl ich schon etliches zum Thema „Drittes Reich“ gelesen habe (u.a. im Geschichts-LK), waren einige Fakten für mich neu bzw. entfalteten ihre Bedeutung neu. Wirklich bewusst wurden mir z.B. der Aufstand der Insassen, die Hilfe der umliegenden Bevölkerung oder die Musterstadt, welche rund um das Konzentrationslager entstand. Erschreckend und Unfassbar wie SS-Soldaten ihrem täglichen Geschäft im KZ, d.h. dem Morden, nachgingen und nach Feierabend die liebenden Familienväter waren. Dazu habe ich ja bereits das Buch „Täter“ gelesen.

Ebenfalls habe ich mir vorher nie richtig bewusst gemacht, dass es eine Rangordnung unter den Häftlingen in Auschwitz gab. Da gab es z.B. die sogenannte Prominenz, die gewisse Privilegien hatte. Und dann gab es u.a. die sogenannten „Muselmänner“, welche kurz vorm Sterben waren. So mussten viele nicht nur die psychische und pysische Gewalt der Aufseher sondern auch der Mithäftlinge ertragen. Kaum vorstellbar…

Faszinierend, gut und wichtig ist, dass die Thematik des Nationalsozialismus nie ausgeschöpft ist. Ich merke, dass mich das Thema in meinem jetzigen Lebensabschnitt wieder ganz neu ergreift, berührt und anspricht. Allerdings wird es, gerade als Mutter, immer entsetzlicher, nicht fassbar und kaum ertragbar. Es drückt auf die Brust und erschwert das Atmen!

Bewertung: 4 von 5 Punkten

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