Fünf Jahre meines Lebens (Murat Kurnaz)

Veröffentlicht 28. September 2013 von erlesenebuecher

Escort-Team, Goggles & Kühlschrank

Appetithäppchen: Als der neunzehjährige Murat Kurnaz, in Bremen geboren und aufgewachsen, Anfang Oktober 2001 nach Pakistan reist, um eine Koranschule zu besuchen, ahnt er nicht, welches Martyrium ihn erwartet – und dass er seine Familie fast fünf Jahre nicht wiedersehen wird. Kurz vor seiner Rückkehr nach Deutschland wird er bei einer Sicherheitskontrolle festgenommen und von der pakistanischen Polizei für 3000 Dollar Kopfgeld an die US-Streitkräfte verkauft. Man verschleppt ihn ins afghanische Kandahar, wo er in einem Geheimgefängnis schwer misshandelt wird, und fliegt ihn schließlich ins Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba. Bald finden die Amerikaner heraus, dass der junge Türke aus Bremen unschuldig ist – dennoch muss Murat Kurnaz mehr als 1600 Tage die Hölle von Guantanamo ertragen: Verhöre, Folter, Isolationshaft, Käfighaltung, endlose Demütigungen. Erst 2006 wird er entlassen – und erfährt, dass die deutschen Behörden schon lange von seiner Unschuld wussten, aber nichts unternahmen, um seine Rückkehr zu ermöglichen. In diesem Buch erzählt Murat Kurnaz seine unglaubliche Geschichte. Er beschreibt eindrücklich seine Erlebnisse während der Gefangenschaft und gibt zudem ein genaues Bild des „Systems Guantanamo“: einer Welt der Rechtlosigkeit, in der Gefangene unbarmherzig dem Terror und der Willkür ausgeliefert sind.

Verfasser: Murat Kurnaz geboren 1982 in Bremen, wuchs als Sohn türkischer Einwanderer in seiner Geburtsstadt auf und machte eine Lehre als Schiffsbauer. Er war von Februar 2002 bis August 2006 im US-Militärlager Guantanamo inhaftiert. Heute lebt und arbeitet er wieder in Bremen.

[Rowohlt (2007)]

Meine Meinung: Unglaublich! Sprachlos schließe ich das Buch von Herrn Kurnaz. Es macht mich so unglaublich traurig. Zu sehen, zu was Menschen heutzutage fähig sind. Keiner hat was aus der Geschichte gelernt, keiner zeigt wirklich Mitleid, kein Rechtsstaat handelt wirklich recht und keiner hinterfragt Befehle.

Erschütternd und erschreckend ist es zu lesen, was Herrn Kurnaz widerfahren ist. Es verändert das Weltbild. Allerdings ist die Frage, ob nachhaltig? Wie oft habe ich schon etwas von Guantanamo gehört, gelesen und mich entsetzt. Aber es gerät im Alltag immer wieder in Vergessenheit. Allerdings darf man nicht vergessen, wo und wie heutzutage Menschen auf dieser Welt unter unmenschlichen Verhältnissen gefangen gehalten werden.

Das Buch regt auch zum Nachdenken über die deutsche Politik Anfang der 2000er Jahre an. Was für Machtspiele da oft hinter stecken…

Nun habe ich auch ein wenig die Reaktionen auf die Freilassung von Murat Kurnaz mitbekommen und natürlich traten sofort die Skeptiker auf und seine Glaubwürdigkeit wurde angezweifelt. Warum? Nur weil er einen langen Bart trug und ähnlich aussah, wie die Terroristen. Ist man selbst vor solchen Vorurteilen gefeit? So oder so muss jawohl klar sein, dass ob schuldig oder nicht, so etwas wie Guantanamo nichts in einem Rechtsstaat zu suchen hat!

Was mich aber am meisten an dem Buch berührt hat, war, dass man keinen Hass, der so verständlich wäre, herausliest. Es ist viel eher ein Zeugnis für die Kraft und Stärke des Glaubens.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

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4 Kommentare zu “Fünf Jahre meines Lebens (Murat Kurnaz)

    • Ja, das Buch sollte man lesen. Gerade, wenn man sich für das aktuelle Weltgeschehen interessiert.
      Das Buch wurde auch verfilmt und lief wohl im Mai im Kino. Leider habe ich den Film verpasst, aber im November erscheint die DVD.

  • Ich habe das Buch noch nicht gelesen, werde es aber ganz sicher tun. Ein Buch, was mich ähnlich fassungslos zurückgelassen hat, wie Kurnaz‘ Buch dich, ist: „Die Orangen des Präsidenten“ von Abbas Khider, der aus politischen Gründen im Irak inhaftiert wurde. – Ich habe damals von vielen gehört: „Na, was erwartest du von einem Land wie dem Irak?“ – Aber z. B. an der Geschichte von Murat Kurnaz sieht man, dass es dieses Grauen überall auf der Welt gibt. Und das macht mich wirklich betroffen und gleichzeitig wütend, weil man meist nur hilflos daneben stehen kann. Ich finde es daher umso wichtiger, dass Menschen wie Khider und Kurnaz eine Stimme gegeben wird, die hoffentlich von vielen gehört wird.

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