Brief an meine Mutter (Waris Dirie)

Veröffentlicht 16. Oktober 2014 von erlesenebuecher

Laufen, bad water & Verstümmelung

Appetithäppchen: Wien, im Herbst: Nach zehn Jahren der Trennung holt Waris Dirie ihre Mutter aus Afrika zu sich. Doch die anfängliche Freude über das Wiedersehen schlägt bald um in gegenseitige Vorwürfe und Missverständnisse. Waris muss erkennen, wie groß der Graben zwischen ihr und der Mutter immer noch ist und wie eng Leid und Liebe verkettet sind. Sie beschließt, der Mutter nach deren Abreise einen langen Brief zu schreiben, in dem sie ihr auch von einem Geheimnis erzählen will, das sie bislang niemandem anvertraut hat.

Verfasserin: Waris Dirie, 1965 geboren, floh mit vierzehn Jahren aus ihrer Heimat Somalia, um eine Zwangsverheiratung mit einem Mann zu entgehen, den ihr Vater für sie ausgesucht hatte. In London schlug sie sich jahrelang mit verschiedenen Hilfsarbeiten durch, u.a. als Putzfrau, bis sie als Model entdeckt wurde. Seit 1994 ist sie UN-Sonderbotschafterin im Kampf gegen Genitalverstümmelung. Im Jahr 2002 gründete sie die „Waris Dirie Foundation“, die gegen die Folter der rituellen Beschneidung in aller Welt kämpft. 1998 veröffentlichte sie ihre Autobiographie „Wüstenblume“, 2001 erschien „Nomadentochter“ und 2005 ihr drittes Buch „Schmerzenskinder“. Alle Titel wurden internationalen Bestseller.

[Ullstein (2007)]

Meine Meinung: Dies ist nun schon das vierte Buch, welches ich von Waris Dirie lese. „Wüstenblume“ hat einen ja geradezu umgehauen und sich tief ins Gedächtnis geprägt. Die Thematik der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) hat Frau Dirie zurecht an die Öffentlichkeit gebracht und sie braucht wirklich jede Unterstützung bei ihrem Kampf! Eine starke Frau, die eine wichtige Botschaft mitzuteilen hat!

Jedoch fragte ich mich schon zu Beginn des Buches ab und an, ob sie wirklich noch was Neues mitzuteilen hat. Klar, jedes ihrer Bücher bringt Geld und Aufmerksamkeit für ihre wichtige Foundation. Allerdings fand ich es vom Inhalt her bei diesem Buch etwas dürftig. Es geht vor allem um ihre Beziehung zu ihrer Mutter, die weiterhin an der Tradition der FGM festhält. Waris Dirie ist verzweifelt und kann ihre Mutter nicht verstehen. Beide finden einfach keine richtige Aussprache. Tja, nur wenn Frau Dirie als Somalierin ihre Mutter schon nicht versteht, wie soll ich als Leserin das auch nur ansatzweise tun. Funktioniert gar nicht! Ich habe innerlich richtige Wut beim Lesen bekommen und die Mutter bzw. das Leben, welches sie repräsentiert, als sehr rückständig und schrecklich intolerant empfunden. Aber war das das Ziel des Buches?

Trotzdem lohnt sich ein Buch von Frau Dirie immer wieder, da es einfühlsam und eindrücklich geschrieben ist. Sie ist einfach eine beeindruckende Persönlichkeit, die versucht einem das Fremde näher zubringen.

Schade, dass sie ihren Kampf gegen den Alkohol nur anreißt. Vielleicht, weil er auch noch nicht richtig gewonnen ist. Da wäre ich gerne mehr in ihr Seelenleben eingetaucht. Befremdlich fand ich die Passage mit dem Stalker und die daraufhin folgende Trennung von ihrem Sohn.

 Bewertung: 3 von 5 Punkten

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