Schwarze Frau, weißes Land (Waris Dirie)

Veröffentlicht 30. Dezember 2014 von erlesenebuecher

Mama Africa, Filmset & Passivität

Appetithäppchen: Geboren in der Wüste Afrikas, floh Waris Dirie vor der Zwangsheirat nach Europa. Hier wurde sie zum erfolgreichen Model und zur gefeierten Menschenrechtskämpferin – und blieb dennoch eine “schwarze Frau im weißen Land”, verdächtig für Polizei und Sexobjekt für Männer. Jetzt erzählt sie von ihrer Zerrissenheit zwischen den Welten und ihrer Suche nach einer wirklichen Heimat. Was bleibt, ist die Sehnsucht nach Afrika und der tiefe Wunsch, ihrem Heimatkontinent zu helfen, sich von Armut und überkommenen Traditionen zu befreien.

Verfasserin: Waris Dirie, geboren 1965, floh im Alter von 14 Jahren aus ihrer Heimat Somalia nach England, wo sie als Model entdeckt wurde. In ihrem Weltbestseller „Wüstenblume“, 2009 verfilmt, prangerte sie den Brauch der weiblichen Genitalverstümmelung an. Mit der von ihr gegründeten Desert Flower Foundation kämpft sie heute weltweit gegen diese Art der Menschenrechtsverletzung und setzt sich für die Rechte afrikanischer Frauen ein.

[Knaur Taschenbuch (2010)]

Meine Meinung: Es ist das fünfte Buch, welches ich von Frau Dirie lese, und ich muss sagen, es reicht mir langsam. Ich habe nichts Neues erfahren und muss lieber aufpassen, dass mir dieses wirklich wichtige Thema der weiblichen Genitalverstümmelung, für welches Sie ohne Zweifel zu Recht und großartig kämpft, nicht langsam auf den Zeiger geht. Man merkt diesem Buch nur allzu sehr an, dass es nur geschrieben wurde, um Geld einzubringen und natürlich –  wie sie auf fast jeder Seite betont – auf das Thema aufmerksam zu machen. Klar ist die Frage, die mir auch bewusst ist, was soll sie denn machen. Sie merkt die Bücher bringen Geld und Publicity, also warum damit aufhören. Dafür gibt es ja keinen Grund. Aber ich muss damit aufhören, ihre Bücher zu lesen.

Ich fand das erste Buch „Wüstenblume“ noch wirklich faszinierend, aufrüttelnd und erschreckend. Und auch die drei weiteren Bücher fand ich gut und jedes Mal dachte ich, welch starke Frau. Allerdings war es in diesem Buch eher so, und das von Anfang an, dass sie mir unsympathisch und fast ein wenig fanatisch rüberkam. Ihr ist ja auch schon alles passiert und jeder will ihr was Böses. Natürlich ist das schlimm, wenn man andauernd bedroht, entführt oder gestalkt wird, nur sie erwähnt es jedes Mal so nebenbei, dass es eher merkwürdig und nicht nachvollziehbar rüberkommt.

Aber am Schlimmsten an diesem Buch fand ich ihre ewige Rummeckerei. Es wurde ohne Ende über Europa geschimpft, was die Europäer Afrika in der Kolonialzeit angetan haben und dass sie dem Land jetzt falsch helfen usw. Auch an der Umweltkatastrophe in Afrika ist Europa Schuld und und und. Na klar, versteht mich nicht falsch, sie hat mit vielem wirklich Recht, aber ich habe das Gefühl, dass das Buch eine einzige Anklage ist. Dabei lebt sie in Europa und sie versucht auch immer wieder zu erwähnen, was sie toll findet, aber nichts geht über Afrika. Vor allem trifft sie etliche Pauschalurteile. Z.B. in Europa zählt die Familie nichts und alles ist so einsam und kalt. Na klar, so ist es in Europa. Ich fand es fast eine Frechheit das zu lesen. Ein paar Kapitel weiter, sagt sie, sie bekommt ein Kind, aber dem Vater des Kindes sagt sie es nicht, da sie nicht mit ihm zusammenleben möchte. Ja, aber wo ist denn der so hochgelobte Familiensinn? Der Vater hat doch auch ein Recht auf sein Kind und das Kind auf seinen Vater! Klar treffe ich da jetzt ein Urteil über sie, was ich mir gar nicht anmaßen darf und kann. Das ist richtig. Aber sie macht das über die Europäer auf fast jeder Seite!

Immerhin ganz unterhaltsam waren die Szenen über den Dreh des Filmes „Wüstenblume“, wobei es natürlich auch da nur um Werbung für den Film ging. Schade, ich bin enttäuscht über dieses Buch und Waris Dirie. Aber nichtsdestotrotz bleibt ihr Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung bewunderns- und unterstützenswert, weshalb ich das Buch auch nicht abbrechen wollte.

Bewertung: 1 von 5 Punkten

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