Die vergessene Generation (Sabine Bode)

Veröffentlicht 24. März 2015 von erlesenebuecher

Trümmer, Trauma & Schweigen

Appetithäppchen: Sie haben den Bombenkrieg oder die Vertreibung miterlebt, ihre Väter waren Soldaten, in Gefangenschaft oder sind gefallen. Diese Kriegsvergangenheit zeigt auch heute noch in vielen Familien Spuren, bis in die zweite und dritte Generation hinein. Ein Buch nicht nur für die ehemaligen Kriegskinder, in etwa die Jahrgänge von 1930 bis 1945, sondern auch ein Buch, das den Jüngeren helfen wird, ihre Eltern besser zu verstehen.

Verfasserin: Sabine Bode (*1947) ist eine deutsche Journalistin und Buchautorin. Sie begann als Redakteurin beim „Kölner Stadt-Anzeiger“. Seit 1978 arbeitet sie freiberuflich als Journalistin und Buchautorin. Ihre Hörfunkbeiträge werden überwiegend im WDR und im NDR gesendet. Sabine Bode lebt in Köln. Bekannt wurde Sabine Bode insbesondere durch ihre Bücher über Kriegskinder. Sie deckte auf, dass kindliche Kriegstraumata oft jahrzehntelang unbewusst und unentdeckt bleiben und erst im Alter mit seinen zusätzlichen Belastungen offenbar werden.

[Klett-Cotta (2004)]

Meine Meinung: Die letzten Zeitzeugen einer wichtigen Ära leben jetzt noch und sollten gehört werden. In diesem Buch geht es vor allem um die Kinder im 2. Weltkrieg. Es wird hier die Sicht der deutschen Kinder, welche ausgebombt, geflüchtet sind, Familien verloren haben und viel zu schnell wie Erwachsene mit dem vielen Leid umgehen mussten, dargestellt.

Sabine Bode lässt viele Einzelschicksale zu Wort kommen, deren Geschichten nicht vergessen werden dürfen. Krieg ist nicht nur vordergründig grausam und die Schrecken des 2. Weltkrieges reichen weit und tief. Alle Beteiligten gehen verändert und gebrochen daraus hervor. Die Autorin beleuchtet eine Seite, die nicht oft Gehör bekommen hat. Die Deutschen waren die Täter und die Opfer waren in den Konzentrationslagern, so plakativ kann man es aber nicht sehen. Dem Buch gelingt es den schmalen Grad zu gehen, so dass die Schrecken und Folgen der Konzentrationslager nicht geschmälert werden. Das Licht wird nur auch auf die deutsche Bevölkerung gerichtet, welche oft nicht das Recht bzw. die Möglichkeit hatte, von ihrem Leid zu erzählen. Viele verdrängten es über Jahre, „man sprach nicht darüber“, „das haben doch alle mitgemacht“, „anderen ging es viel schlechter“. Nun wird aber im Laufe der Zeit klar, was der Krieg mit diesen Menschen gemacht hat. Er hat so viel zerstört, so viel ist noch nicht verarbeitet, geschweige denn ausgesprochen. Ein wichtiges Buch! Ein Buch gegen den Krieg und für die Opfer auf allen Seiten.

Leider ging es mir aber gegen Ende des Buches zu sehr um Traumaforschung allgemein.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

 

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