Im Meer schwimmen Krokodile (Fabio Geda)

Veröffentlicht 17. Mai 2015 von erlesenebuecher

Schlepper, Taliban & Turin

Appetithäppchen: “Drei Dinge darfst Du nie im Leben tun, Enaiat, aus keinem Grund: Erstens, Drogen nehmen. Zweitens, zu den Waffen greifen. Versprich mir, dass deine Hand nicht einmal einen Holzlöffel halten wird, wenn er dazu dient, einen Menschen zu verletzen. Drittens, stehlen. Was dein ist, ist dein, was nicht dein ist, nicht. Und merke dir, dass es sich immer zu leben lohnt, wenn man einen Wunsch vor Augen hat wie ein Esel eine Karotte.” Mit diesen Worten verlässt die Mutter ihr Kind. Sie hat Enaiat außer Landes geschmuggelt, mehr kann sie nicht für ihn tun. Die drei Lebensregeln sind der einzige Kompass des Jungen auf seiner Überlebensreise, die viele Jahre dauert. Also macht er nichts Böses, was auch immer geschieht. Arbeitet, gleich was, und besteht Tag für Tag das Leben, findet Freunde, zieht weiter. Und sucht immer nach einem Grund, um glücklich zu sein.

Verfasser: Fabio Geda, 1972 in Turin geboren, veröffentlichte mehrere Romane. Bei einer Lesung lernte er eines Abends Enaiatollah Akbari kennen, der ihm seine Geschichte erzählte. Ihr gemeinsames Buch „Im Meer schwimmen Krokodile“ eroberte in Italien die Bestsellerlisten und verhalf seinem Autor auch international zum Durchbruch: Der Roman erschien in 18 Ländern.

[btb (2011)]

Meine Meinung: Ein Roman, der aufgrund der momentan diskutierten Flüchtlingsproblematik hochaktuell ist.

In diesem Buch geht es um Enaiat, der aus Afghanistan geflohen ist, obwohl er Afghane ist. Die Taliban beherrschen das Land aber mit Terror und Gewalt, so dass einige Menschengruppen besonders unter ihnen zu leiden haben, so auch Enaiat. Seine Mutter bringt den etwa Zehnjährigen nach Pakistan und lässt ihn dort allein. Es muss sich unter den schwierigsten Bedingungen durchkämpfen und landen schließlich im Iran. Dort arbeitet er nonstop, um dann die gefährliche Wanderung über die Berge in die Türkei zu wagen. Schon allein dieser Abschnitt lässt einen den Atem anhalten, da man sich so eine Flucht überhaupt nicht vorstellen kann. Später geht es über das Meer nach Griechenland und von dort schließlich nach Italien, wo er endlich als politisch verfolgter Flüchtling anerkannt wird und ein neues Leben aufbauen kann.

Ein Bericht, der einem unter die Haut geht und eindringlich ist ohne aufdringlich zu sein. Das Buch zeigt ein Einzelschicksal, das aber für so viele andere steht. Die sprachliche und kulturelle Barriere hindert uns selbst so oft, hinter die Fassade zu gucken, echtes Interesse und Mitgefühl zu zeigen. Das Buch hilft dieses zu überwinden.

Ich kann es jedem nur empfehlen!

Bewertung: 5 von 5 Punkten

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