Das möge Gott verhüten (Majella Lenzen)

Veröffentlicht 3. Dezember 2015 von erlesenebuecher

Profess, Rainbow & Kondom-Nonne

Appetithäppchen: Über die Katholische Kirche wird viel geredet und noch mehr spekuliert, denn nur selten können wir hinter die Mauern des Vatikans oder der Klöster schauen. Informationen aus erster Hand gibt nun Majella Lenzen, sie bricht das Schweigen und berichtet mutig von ihren Erfahrungen als Schwester Maria Lauda. 33 Jahre war sie im Dienst der Kirche in Afrika tätig. In Tansania baute die gelernte Krankenschwester mitten im Busch ein Krankenhaus auf. Cholera, Malaria, dramatische Blutarmut und Notgeburten gehörten ebenso zu ihrem Alltag wie Überschwemmungen und Krieg. Als Provinzoberin in Simbabwe versucht sie die Ordensregeln zu erneuern und geriet in Konflikt mit der Kirche. Diese versetzte sie in eine von HIV stark betroffene Krisenregion, in der sie die kirchliche Aids-Arbeit koordinierte. Als sie Kondome ins Rotlichtviertel von Morogoro transportierte, provozierte sie den finalen Skandal. Getrieben von der Sehnsucht nach Gerechtigkeit schreibt Majella Lenzen über die abenteuerlichen Episoden ihres Lebens als Missionarin. Sie wankt nicht in ihrem Glauben, trotz der Ungerechtigkeiten, die sie erlitten hat, sondern hofft auf eine bessere, eine dialogfähige und deshalb aufrichtigere Kirche, in der Nonnen nicht als Meschen „zweiter Klasse“ behandelt werden.

Verfasserin: Majella Lenzen wurde 1938 in Aachen geboren, 1959 legte sie die ersten Gelübde ab. Im selben Jahr begann ihr Einsatz als  Missionarin in Afrika. 18 Jahre lang leitete sie das Turiani Hospital in Tansania. 1982 übernahm sie die Leitung der Ordensprovinz in Simbabwe. Ab 1990 koordinierte sie die katholische Aids-Arbeit in der Diözese Moshi am Kilimandscharo. Nach einem Konflikt mit der Kirche wurde sie 1995 von den Gelübden entbunden. Heute lebt sie in Düren.

[DuMont Buchverlag (2009)]

Meine Meinung: Eine beeindruckende Frau erzählt von ihrem aufopfernden Leben in Afrika, ein Land, das ihr so vertraut wird. Es ist ein Kampf gegen Unmenschlichkeit, Krankheiten und Bürokratie. Allerdings merkt man ihr ihre Nähe zu Gott an, da sie anscheinend unendliche Kraftreserven und Zuversicht besitzt.

Ich bewundere Menschen, die sich weitab der Heimat tatkräftig um Menschen kümmern. Maria war vor allem immer wichtig, dass die Menschen auch vor Ort lernen, sich selbst zu helfen. Allerdings wird ihr schnell klar, dass die Missionsarbeit der katholischen Kirche das etwas anders sieht.

Ich bin Theologin, allerdings evangelisch, und respektiere viele Regeln der katholischen Kirche. Auch wenn ich einiges nicht nachvollziehen kann. Ich sehe natürlich die Fehler in dem System Kirche, aber für mich überwiegen die Chancen und positiven Dinge – vor allem in der evangelischen Kirche. Jedoch wird einem bei diesem Buch wieder einmal vor Augen geführt, wie unsinnig und menschenfeindlich einige Regeln der katholischen Kirche sind und ich verstehe nicht, wie die Alteingesessenen (vor allem Männer) sich nicht ändern oder wenigstens aufgeschlossen sein können. Der Machthunger ist wohl zu groß und die Engstirnigkeit.

Maria wird gezwungen „freiwillig“ ihr Nonnendasein aufgrund einiger Vorkommnisse, wobei anscheinend den Ausschlag die Verteilung von Kondomen in einem HIV-verseuchten Gebiet ist, aufzugeben. Sie sieht und hat es vor allem direkt miterlebt, wie die Menschen unschuldig an dieser Krankheit leiden und sterben. Und dann kommt die Kirche und verbietet Kondome. Das geht doch nicht. Da muss sich Gott im Himmel doch wirklich die Tränen von der Wange wischen über so viel Unverstand.

Maria gibt aber nicht auf und kämpft weiter gegen Aids. Gerade aktuell ist diese Krankheit zum Glück wieder in den Medien. Sie darf nicht vergessen werden und es muss immer wieder auf sie aufmekrsam gemacht werden und vor allem eben auf Kondome. Da verliert die (katholische) Kirche – wie so oft – sämtliche Zuneigung. Wie Luther schon sagte, ist der Papst total überflüssig!

Aber nochmal zurück zum Buch. Eine spannende Lebensgeschichte, die wirklich interessante Einblicke in die Missionsarbeit, die katholische Kirche – vor allem ihre Bürokratie – und das Nonnenwesen gibt. Mir kam gerade der Austritt und wie es dazu kam etwas zu kurz. Ich hätte gerne mehr von Marias Innenleben in dieser Zeit erfahren und mitgefühlt.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

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