Der 35. Mai (Erich Kästner)

Veröffentlicht 24. Februar 2016 von erlesenebuecher

Rollschuhpferd, Elektropolis & Südsee

Appetithäppchen: Donnerstags besucht Konrad immer seinen Onkel, den Apotheker Ringelhuth. Dann gibt es nur verrücktes Zeug zum Mittagessen: Kochschinken mit Sahne, Fleischsalat mit Himbeersaft oder gar Kirschkuchen mit englischem Senf. Wenn den beiden davon nicht schlecht geworden ist, turnen sie über die Möbel und springen vom Bücherschrank, bis Mühlbergs Kronleuchter von der Decke fällt. Am Donnerstag, den 35. Mai ist alles ein wenig anders. Schon auf der Straße werden Onkel und Neffe von dem rollschuhlaufenden Zirkuspferd Negro Kaballo angesprochen. Ein ausgesucht höfliches Tier. Da Konrad als Hausaufgabe für phantasielose Kinder einen Aufsatz über die Südsee schreiben muss, bietet es sich natürlich an, einen kleinen Ausritt dorthin zu unternehmen. Und was Onkel Ringelhuth und Konrad an diesem Nachmittag erleben, das kann wirklich nur an einem 35. Mai passieren.

Verfasser: Erich Kästner, der Autor vieler weltbekannter Kinderbücher, ausgezeichnet u.a. mit dem Internationalen Jugendbuchpreis, der Hans-Christian-Andersen-Medaille, hat einmal gesagt: „Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Früher waren sie Kinder, dann wurden sie Erwachsene, aber was sind sie nun? Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch!“

[Cecilie Dressler Verlag (1935)]

Meine Meinung: Irgendwie ist in meiner Kindheit Erich Kästner ein bisschen an mir vorbei gegangen. Also ich kannte zwar z.B. den Inhalt von „Pünktchen und Anton“ oder „Emil und die Detektive“, aber die Bücher wurden mir weder vorgelesen noch habe ich sie selbst gelesen. Ich war vor einiger Zeit schon von „Das fliegende Klassenzimmer“ begeistert und bin es jetzt von „Der 35. Mai“. Meine Schwester sagte letztens, dass wäre eines ihr Lieblingsbücher. Ja, warum hat sie es mir denn damals nicht vorgelesen? Frechheit.

Nun habe ich es zum Glück mit meinem Kind nachgeholt und es ihm vorgelesen. Welch grandioses Kinderbuch! Man muss sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen, wann das Buch entstanden ist. 1931! Es ist die Mutter so vieler anderer Kinderbücher. Viele Ideen stammen aus diesem Buch. Es ist ja auch voll von ihnen: ein rollschuhfahrendes Pferd, eine elektrische Stadt, ein kariertes Mädchen, Kinder an der Macht, fahrende Häuser, vergangene Herrscher… Vieles ist so abgefahren und absurd, aber auch lustig und feinsinnig.

Besonders Spaß hat mir auch mal wieder die Sprache gemacht. Es ist eine Freude, das Buch vorzulesen. Viele Begriffe oder Redewendungen findet man leider heutzutage viel zu wenig in unserer Sprache, so musste ich Dinge oft meinem Kind erklären, aber auch das ist ja Gewinn.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

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2 Kommentare zu “Der 35. Mai (Erich Kästner)

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