Als ich unsichtbar war (Martin Pistorius)

Veröffentlicht 21. Juli 2016 von erlesenebuecher

Pflegeheim, Perfect Paul & Salz

Appetithäppchen: Martin ist zwölf, als ihn eine rätselhafte Krankheit befällt: Er verliert seine Sprache, die Kontrolle über seinen Körper, ist nach wenigen Monaten völlig hilflos. Die Ärzte sagen seinen Eltern, er werde für immer schwerstbehindert bleiben. Was niemand ahnt: Im Kokon seines Körpers verbirgt sich ein schrittweise erwachender Geist und eine zutiefst lebendige Seele. Martin Pistorius erzählt bewegend und absolut authentisch, was ihn in den elf Jahren der Hilflosigkeit am Leben gehalten hat.

Verfasser: Martin Pistorius, geboren 1975 in Johannisburg, war zwölf, als eine rätselhafte Erkrankung ihn aus seinem Leben riss. Elf Jahre blieb er gelähmt, seine Familie und die Ärzte gingen davon aus, dass er geistig auf dem Stand eines Babys war. Er konnte sich nicht verständigen und war doch innerlich hellwach. Niemand merkte, dass sein Gehirn sich vollständig erholt hatte. Seine Rettung verdankte er dem Zufall. 2001 konnte er mithilfe eines Computers wieder kommunizieren. 2008 lernte er seine Frau Joanna kennen und wanderte mit ihr nach England aus, wo er seine eigene Firma für Webdesign gründete.

[Bastei Lübbe (2011)]

Meine Meinung: Welch ein beeindruckendes Buch über eine unglaubliche Lebensgeschichte eines mutigen, starken Jungen bzw. Mannes. Martin wird als Kind plötzlich krank und fällt in eine Art Koma. Aber nach einigen Jahren erwacht er wieder Stück für Stück, aber er hat keinerlei Kontrolle über seinen Körper und kann keinem mitteilen, dass er seine Umgebung wieder wahrnimmt. Erst nach einigen Jahren erkennt eine Pflegerin, dass ein wacher Geist in dem Körper wohnt. Mit einigen Test gelingt ein erstes Kommunizieren. Schritt für Schritt nimmt Martin mehr Kontakt auf…

Es ist ein bewegendes Schicksal, das man sich kaum vorstellen kann. Man bekommt alles mit, kann sich aber nicht bemerkbar machen. Es fängt mit kleineren Dingen an, dass es einfach langweilig ist, man das Fernsehprogramm nicht ändern kann…. Außerdem verhalten sich die Pflegekräfte oftmals so, als ob er eben nicht da wäre oder sie erzählen ihm ihre intimsten Gedanken. Aber leider passieren auch entsetzliche Dinge, so wird Martin von weiblichen Pflegerinnen sexuell missbraucht. Er kann nicht um Hilfe rufen oder seiner Familie signalisieren, was mit ihm passiert. Furchtbar, wie Menschen die Hilflosigkeit anderer ausnutzen und ihre Menschenwürde mit Füßen treten.

Allerdings hat das Buch ein Happy-End. Er lernt Joanna kennen und lieben. Sie heiraten und fühlen sich beieinander Zuhause.

Etwas Schwierigkeiten hatte ich mit dem zeitlichen Ablauf der Geschehnisse, da Martin viel hin und her springt und ich nicht immer folgen konnte. Aber einen viel schaleren Nachgeschmack hatte für mich ein wenig die Beziehung zu seinen Eltern vor allem zu seiner Mutter. Sehr sensibel erzählt er von ihrer Tortur. Sie hatte ihn schon aufgegeben und sich von ihm abgewandt, um irgendwie mit dem Schicksal umzugehen. Allerdings hat er ihr verziehen und später hat sie sich umso mehr für ihn eingesetzt. Mir ist nicht so ganz klar geworden, wie er nun wirklich zu ihr bzw. seinen Eltern steht. Er ist oft darauf bedacht, sie gut darstehen zu lassen und alles verständlich darzustellen, aber dann gerade gegen Ende verstehe ich einiges nicht mehr. Joanna verlangt, dass er sich von ihnen löst. Das erscheint mir so abrupt und schnell. Wie sollen sie damit umgehen? Und irgendwie erscheint mir Joanna anfangs auch etwas suspekt. Aber anscheinend ist das nur seine Darstellungsweise, die mich stört, da beide auch jetzt nach Jahren noch glücklich liiert sind und das sei ihnen von Herzen gegönnt.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

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