Wiebke und Paul (Ursula Fuchs)

Veröffentlicht 13. Januar 2017 von erlesenebuecher

Brötchen, Kur & Puppenhaus

wiebkeundpaulAppetithäppchen: <„Warum kannst du eigentlich deinen Pullover nicht leiden?“ – „Weil er nass ist.“ – „Nass? Der ist nicht nass. Der ist schön warm.“ – „Er ist nass.“ Sie stellt die Schuhe in die Pfütze vor ihren Füßen. „Er ist nass von Mutters Tränen.“ – „Wieso? Hat deine Mutter immer geweint beim Stricken?“ – „Ja!“ – „Warum hat sie geweint?“> Wiebke soll keinem erzählen, warum ihr Vater eine Kur machen muss. Doch dann lernt sie Paul kennen. Wenn sie Paul begegnet, hat sie immer so ein kribbelndes Gefühl im Bauch. Mit Paul redet sie über alles, auch über ihren Vater, der nicht mehr aufhören kann zu trinken. Wiebke lernt, dass Schweigen nicht hilft.

Verfasserin: Ursula Fuchs, in Münster/ Westfalen geboren, lebt heute mit ihrer Familie in Darmstadt. Sie schreibt Erzählungen, Kurzgeschichten, Hörfunk- und Fernsehsendungen für Kinder und Jugendliche. Die Kurklinik „Haus Burgwald“, die in „Wiebke und Paul“ beschrieben wird, existiert wirklich. Ursula Fuchs hat sich dort sehr genau über die Patienten und das Leben in der Klinik, über die Therapien für die Kranken und die Seminare für die Angehörigen informiert.

[Ravensburger Taschenbuch (1989)]

Meine Meinung: Vor etwa 26 Jahren hat mir meine Schwester dieses Buch empfohlen und ich habe es nun zum dritten Mal gelesen. Vieles habe ich vergessen, da es wirklich lange her war, dass ich das Buch gelesen habe. Allerdings muss ich sagen, ich kann es immer noch sehr empfehlen.

Wiebke ist etwa zehn Jahre alt und hat einen fast achtzehnjährigen Bruder. Ihre Eltern streiten sich häufig, vor allem dann, wenn der Vater getrunken hat. Die Familie ist zerrüttet und Wiebke kapselt sich ein. Dann fährt der Vater aber auf eine halbjährige Kur und Hoffnung keimt auf. Gleichzeitig trifft Wiebke Paul und eine wunderbare Freundschaft entsteht.

Der Schreibstil erinnert an die 80er/90er Jahre. So waren damals Kinderbücher geschrieben, wie ich sie kenne. Der heutige Schreibstil der Kinder-/Jugendbücher ist anders. Damals war er nüchterner, verschlossener, Dinge wurden zwischen den Zeilen angedeutet, das wird heute direkter, spannender und vor allem auch lustiger bzw. unterhaltsamer gemacht.

In dem Buch werden wichtige Themen behandelt: Alkoholismus, Freundschaft, Entwicklung, Veränderungen, Unabhängigkeit und Familie. Die Krankheit des Vaters betrifft die gesamte Familie, alle leiden, alle brauchen Zeit, um gesund zu werden. Ursula Fuchs stellt die Problematik sehr gut für Kinderaugen dar. Allerdings wurde das Buch laut Verlag ab 9 Jahren empfohlen, da würde ich vielleicht etwas höher ansetzen. Ich kann mich noch dran erinnern, dass es damals, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, noch ein relativ neues, aktuelles Thema war, dass Alkoholabhängigkeit als Krankheit galt und nun eben auch in Kinder- und Jugendbücher thematisiert wurde. Heutzutage ist es immer noch hochaktuell, aber vielleicht nicht mehr so interessant und von anderen Themen verdrängt worden. Allerdings gibt es immer noch genug Familien und vor allem Kinder, die als Co-Abhängige darunter leiden. Alkohol kann Familien, Menschen, Beziehungen zerstören, darum ist es wichtig darüber zu sprechen. Dabei kann dieses Buch helfen…

Bewertung: 4,5 von 5 Punkten

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