Die letzten Giganten – Guns N‘ Roses (Mick Wall)

Veröffentlicht 3. Januar 2018 von erlesenebuecher

Troubadour, Verspätung & one in a million

Appetithäppchen: Guns N‘ Roses waren von Anfang an, was jede große Rockband sein wollte, aber kaum eine jemals war: wild und gefährlich. In einer Zeit, in der die grinsenden MTV-Lieblinge und Anti-Drogen-Rocker von Bon Jovi als größte Band der Welt galten, wirkten sie wie frisch aus der goldenen Ära des Rock in unsere biedere Gegenwart katapultiert. Schon als die Bandmitglieder noch gemeinsam im berüchtigten Hell House in Los Angeles lebten, wo sie ihrem Motto „Live like a suicide“ alle Ehre machten, gehörte der Autor dieses Buchs zum engeren Zirkel – bis ihn Frontmann Axl Rose öffentlich an den Pranger stellte. Doch Mick Wall geht es nicht darum, alte Rechnungen zu begleichen: Diese Biografie ist die aufrichtige Würdigung einer Band, deren Mitglieder vielleicht die letzten Überlebenden einer ausgestorbenen Spezies sind: überlebensgroße Rockstars, die sich immer schon einen Dreck um Konventionen und Kompromisse scherten. Die letzten Giganten.

Verfasser: Mick Wall ist der bekannteste britische Rock-Biograph. Er ist der Autor von den Büchern „W.A.R.: The Unauthorized Biography of William Axl Rose“, „When Giants Walked the Earth: A Biography of Led Zeppelin“ und „Enter Night: A Biography of Metallica“. Er lebt in London.

[Overamstel Verlag (2017)]

Meine Meinung: Auf dieses Buch habe ich mich besonders gefreut. Ich bin seit den frühen 90ern ein großer Fan dieser Band und habe sie bereits mehrmals live gesehen. Das Buch war also ein Muss! Ich habe bereits vor etlichen Jahren Mick Walls Biographie über Axl gelesen und war nicht ganz so begeistert. Das Verhältnis der beiden ist ja auch etwas schwierig. Außerdem kenne ich ebenfalls diese kleinere Bandbiographie oder besser Fanbuch bzw. Bildband von Jens Schmiedeberg. Des Weiteren habe ich die Biographie von Duff gelesen. Trotzdem hat sich gerade in den letzten Jahre noch einmal so viel getan und da versprach dieses Buch das aktuellste zu sein. Es reicht bis ins Jahr 2017 hinein.

Insgesamt lässt sich sagen, dass dieses Buch wohl eine Zusammenfassung sämtlicher Biographien über Guns N‘ Roeses ist. Es enthält etliche Informationen aus Büchern, Interviews und Internetseiten und scheint wirklich gut recherchiert zu sein. Ob Mick Wall versucht wirklich neutral gegenüber den Lagern Axl vs. Slash/Duff zu sein, ist schwer zu sagen. Es scheint manchmal so, aber teilweise kommt es einem schon sehr wohlwollend Axl gegenüber vor. Was natürlich auch daran liegt, dass Doug Goldstein sehr oft zu Wort kommt und der Axl ja halb im Arsch hing und alles für ihn gemacht hat, weil er ihn ja so liebte (das wird immer wieder betont). Deutlich wird aber auch – und das ist Fakt -, was für ein besonderer Charakter Axl ist und nicht umsonst war und bin ich ein großer Fan von ihm. Früher fand ich ihn wirklich so unglaublich toll. Aber man hatte ja auch nicht wirklich Ahnung als kleiner Teenagerfan. Er ist zweifellos einer der größten, faszinierensten Frontmänner und ohne ihn hätte GNR es nie so weit geschafft, aber er war eben auch ein Riesenarschloch und das kommt mir etwas zu kurz in dem Buch bzw. wird nicht deutlich genug ausgesprochen – von seinen Bandkollegen anscheinend nie direkt (was ich mir gar nicht vorstellen kann). Außerdem ist nicht nachvollziehbar, was in den letzten Jahren mit ihm passiert ist. Warum hat er sich, was die Arbeitsmoral und Empfindlichkeit angeht plötzlich so gewandelt? Und auch äußerlich bzw. sein Verhalten auf der Bühne ist er doch nicht eine ältere Version von dem Axl, den man von früher kennt. Da wirken ja die Ex-Drogenjunkies – zu denen er ja eben nicht gehört – Slash und Duff wie gesunde, fitte, gutaussehende etwas ältere Männer. Es gibt also einige Lücken, die auch Mick Wall nicht füllen konnte.

Es wird auf jeden Fall eine bewegte, aufregende, unterhaltsame und einmalige Bandgeschichte deutlich, die vor allem den Frontmann in den Mittelpunkt stellt. Sie wirkt gut recherchiert, allerdings blieben für mich die richtigen Insiderinformationen, vor allem aus den Spitzenzeiten der frühen 90er, eher mangelhaft. Ich habe da auf eindeutig mehr gehofft, allerdings ist es wohl so, dass die Beteiligten sich kaum daran erinnerten. Ein Wunder, dass alle fünf Gründungsmitglieder noch leben. Spannend wäre es, wenn Axl mal endlich eine eigene Biographie veröffentlich oder es wirklich mal einen Film über die Band gegeben würde.

Was den Lesefluss leider etwas störte, waren die vielen Rechtschreib- bzw. Druckfehler.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

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