Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea (Christian Eisert)

Veröffentlicht 5. August 2019 von erlesenebuecher

Damenfrisuren, Führer & Regenbogenrutsche

Appetithäppchen: Wie viele Touristen jährlich Nordkorea besuchen, lässt sich exakt sagen: wenige. Dabei hält so ein Urlaub im Reich von Kim Jong-un viele Überraschungen bereit: Autobahnen ohne Autos, Hotels, in denen der fünfte Stock fehlt, und ein Tänzchen an der gefährlichsten Grenze der Welt – zu den Klängen von „Tränen lügen nicht“. Christian Eisert ist 1500 Kilometer durch die Demokratische Volksrepublik gereist. Mit gefälschter Biographie. Unter ständiger Beobachtung des Geheimdienstes. Und auf der Suche nach Kim Il-sungs legendärer regenbogenfarbener Wasserrutsche. Das Ergebnis ist einfach irre – und sehr komisch.

Verfasser: Christian Eisert, geboren 1976 in Ostberlin, ist TV-Autor, Satiriker und Comedy-Coach. Er schreibt Gags, Sketche und Drehbücher u. a. für Harald Schmidt und die Fernsehshows Alfons und Gäste und Grünwald Freitagscomedy. Erste Erfahrungen mit Nordkorea sammelte er im Jahr 1988, als er an seiner Schule zu Ehren einer Gästedelegation aus Pjöngjang Arbeiterkampflieder sang.

[Ullstein (2014)]

Meine Meinung: Warum auch immer fasziniert das Land Nordkorea mich. Er erschreckt, macht Angst, erregt Mitleid, aber vor allem möchte ich wissen, wie leben die Menschen dort, wie bewältigen sie ihren Alltag, was denken und fühlen sie. Ich habe schon „Im Land des Flüsterns“ und „Flucht aus Lager 14“ gelesen, wobei dort vor allem die dunkle Seite des Landes gezeigt wird.

In diesem Buch wird eine „normale“ Pauschalreise in das Land dargestellt, die man auch schon bei Dokumentationen oder Bekannten, die das Land besucht haben, kennen gelernt hat, da meist dieselben Orte besucht und die gleichen Fotos gemacht werden dürfen. Trotzdem war es interessant, da jeder das Land anders wahrnimmt. So auch hier: Christian Eisert reist mit einer Bekannten, und beide reagieren ganz unterschiedlich auf die Umstände der Reise. Dass es vor allem die Beziehung zueinander belastet und irgendwie schlecht darstellen lässt, irritierte mich etwas, da ich immer dachte, warum er sie jetzt schlecht darstellt, so dass die Bekannte eher unsympathisch wirkt. Gern hätte ich auch mehr aus ihrer Sicht erfahren, aber es ist ja sein Buch.

Eisert schafft es geschichtliches und politisches Hintergrundwissen mit dem vor Ort Erlebten zu verknüpfen und die tristen Tage doch unterhaltsam darzustellen. So manch absurde Situation gab es zu berichten.

Etwas zu wenig wird die schreckliche Seite des Landes dargestellt, also ist der Alltag auch schon schrecklich, da die Menschen sich nicht frei äußern oder bewegen dürfen und völlig gehirngewaschen sind. Das wird deutlich. Aber in dem Land passiert noch viel mehr, in den Gefangenenlagern, wer alles spurlos verschwindet oder die öffentlichen Hinrichtungen (die werden immerhin im Nachtrag erwähnt).

So oder so sollte einem bewusst sein, dass Kim Jong-un einfach machen kann, was er will und dadurch eine immense Gefahr für die Freiheit und Menschlichkeit auf dieser Welt ist.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

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