[Rezension] Unter Wasser atmen (Julie Orringer)

Veröffentlicht 7. Januar 2020 von erlesenebuecher

Otter, Tauchkurs & Rollschuhbahn

Appetithäppchen: Es ist jener Moment, in dem das Leben einen zwingt, erwachsen zu werden. Von ihm erzählen die Geschichten der jungen amerikanischen Autorin Julie Orringer. Nichts hat die Mädchen und jungen Frauen darin auf die Umbrüche vorbereitet, die ihr Leben für immer verändern werden: Aus einem Kinderspiel wird grausamer Ernst, der seltsame Besuch in Disneyland gerät zum Abschied von der schwerkranken Mutter. Und die 14-jährige Maddy stellt sich, nachdem sie bei einem Unfall beinahe ertrunken wäre, ihren Ängsten in einem Tauchkurs. Orringers Heldinnen erleben die verwirrenden Gefühle von Sehnsucht und Enttäuschung, erster Liebe und Schmerz. Sie straucheln und finden doch ihren Weg in die fremde Welt der Erwachsenen. Denn alle lernen, unter Wasser zu atmen. Mit diesen Geschichten von hoher literarischer Qualität sorgte Julie Orringer international für Aufsehen. Ihr gelingt es in einer außergewöhnlichen klaren Sprache eindringlich und voller Ideenreichtum vom Heranwachsen junger Frauen zu erzählen.

Verfasserin: Julie Orringer, geboren 1973 in Miami, wuchs in New Orleans und Ann Arbor auf. Sie lebt heute in San Francisco. Ihre mehrfach ausgezeichneten Short Storys sind bisher in The Yale Review, The Paris Review, Best New American Voices, Zoetrope und The Pushcart Prize Anthology erschienen. Julie Orringer arbeitet an ihrem ersten Roman.

[KiWi (2005)]

Meine Meinung: Ich mag keine Kurzgeschichten! Nie wird man so ganz warm mit den Protagonisten und hat man sich gerade in die Geschichte eingefunden, ist sie auch schon wieder vorbei. Dieses Buch beinhaltet neun Kurzgeschichte, die eindringlich und gut geschrieben sind. Aber irgendwie war das alles nicht mein Thema. Es geht um das Erwachsenwerden, aber alle Geschichten wirken auf mich immer nur traurig, tragisch und dadurch befremdlich. Vielleicht hätte ich die zu einer anderen Lebensphase lesen müssen, aber dann hätte mich das vielleicht auch nur depressiv gemacht.

Bei der ersten Geschichte „Pilgerväter“ ging es um eine Kommune und Krebs. Ich fand sie absurd, seltsam, sehr traurig und fühlte mich nicht wohl.

„Wenn sie alt ist und ich berühmt bin“ handelt von zwei Cousinen, die eine ist ein Model und hübsch, die andere wird als eher dick, aber schlau dargestellt. Erst streiten sie sich, kommen nicht auf einen Nenner, aber am Ende ist die Beziehung doch irgendwie eng. Die Frage bleibt, wer hat das bessere Leben?

Um die Beziehung zwischen Bruder und Schwester geht es in „Der Isabel-Fisch“. Das Mädchen ist 14 Jahre alt und muss den Tod der Freundin des Bruders, mit der sie auch befreundet war, verkraften und gleichzeitig ihren Bruder ertragen, der ihr irgendwie die Mitschuld gibt bzw. auch nicht damit klar kommt. Diese Geschichte berührte mich am meisten, machte mich aber auch nur traurig.

In „Ratschläge an ein Sechstklässler-Ich“ kann das Leben einer Sechstklässlerin schon tragisch schön sein, da die Mitschüler hart sind. Ist man dann das Opfer der Umstände?

„Der ebenste Weg ist voller Steine“: Ein Mädchen ist zu Besuch in einer orthodoxen jüdischen Familie, bei Onkel, Tante und Cousine. Sie mag die Regeln, sieht aber den Reiz sich zu widersetzen. Aber dann macht es die eigentlich strenggläubige Cousine, so dass die eigene Einstellung doch hinterfragt wird.

Am schlimmsten fand ich „Obhut“. Eine süchtige Tante nimmt lieber Tabletten, während sie sich um ihre sechsjährige Nicht kümmern soll. Natürlich hat das anscheinend auch Ursachen… sie stand immer im Schatten ihrer Schwester und ihre Pläne verwirklichten sich nicht.

In „Mowtons Sterne leuchten hell“ mögen zwei Freundinnen denselben Jungen. Eine ist gutaussehend und beliebt, die andere unscheinbar und etwas fülliger. Er hat mit beiden was angefangen, will aber nun mit der Gutaussehenden durchbrennen. Die Unscheinbare kriegt aber eine Pistole in die Hand und dreht das Schicksal… Für Teenager vielleicht ansprechend, die Jugend ist orientierungslos, fühlt sich missverstanden, ungeliebt und man gerät in die Situation, die man so gar nicht will, aber irgendwie ist es schwierig, da wieder raus zu kommen. Für mich als Leserin, die vielleicht nicht das Zielpublikum ist, ist es nicht erfüllend.

Helenas Mutter hat Krebs im Endstadium. Sie erlebt mit, wie ihre Mutter sich von ihrer Jugendliebe verabschiedet. „Was bleibt“ war für mich verwirrend, unverständlich und mal wieder traurig. Aber, das muss man der Autorin lassen, die Gefühlswelt der vierzehnjärigen Protagonistin wird erhellend dargestellt.

Die letzte Geschichte „Stationen des Kreuzwegs“ war eher blass, machte aber auch wieder deutlich wie schwierig die Kindheit ist, da vieles ungerecht erscheint.

Bewertung: 2 von 5 Punkten

 

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