Rezensionen 2017

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Weihnachten 1945 (Claus Hinrich Casdorf [Hrsg.])

Veröffentlicht 3. Januar 2018 von erlesenebuecher

Trümmer, Besatzung & Frieden

Appetithäppchen: Weihnachten 1945 – Deutschland lag in Schutt und Asche. Viele Familien waren noch auseinandergerissen, Millionen von Frauen und Müttern warteten in banger Sorge auf die Heimkehr ihrer Männer aus der Kriegsgefangenschaft. Die Versorgung mit Lebensmitteln war katastrophal. Doe Wohnungen konnten kaum geheizt werden, durch Ritzen und Spalten pfiff der Wind. Aber trotz allem war das Weihnachtsfest 1945 zum ersten Mal seit Jahren wieder ein Fest des Friedens, ein Fest der Hoffnung. Welche Sorgen und Nöte, Hoffnungen und Erwartungen sie ganz persönlich in den Weihnachtsfeirtagen begleitet haben, schildern Kirchenführer, Politiker, Verleger, Künstler, Publizisten und Schriftsteller in diesem Buch.

Verfasser: Claus Hinrich Casdorff, geboren am 6. August 1925, begann 1947 seine journalistische Laufbahn als politischer Redakteur beim NWDR, Hamburg. Er war u.a. Programmleiter verschiedener Ressorts und von 1982 bis 1990 Chefredakteur der FS-Landesprogramme des WDR.

[Deutscher Taschenbuch Verlag (2003)]

Meine Meinung: In dem Buch kommen 24 unterschiedliche Personen zu Wort, die von ihrer Erinnerung an das erste Weihnachtsfest nach dem Krieg erzählen. Einige der Erzähler sind auch mir heute noch ein Begriff, andere waren mir unbekannt. Es sind aber alles Leute des öffentlichen Lebens, neben einigen Journalisten, Politikern und Autoren, gibt es aber auch Schauspieler und Geistliche.

Ich dachte, ich lese es als eine Art literarischer Adventskalender, jeden Tag ein Bericht. Allerdings wurde daraus nicht so ganz etwas, da sich einige Berichte sehr hinzogen. Das Buch versprach nicht ganz das, was ich erwartet habe, allerdings waren meine Erwartungen eventuell auch zu hoch. Zum einen ist nicht jeder zum unterhaltsamen, kurzweiligen Schriftsteller geboren und zum anderen sollten die Erzähler sich nach mehr als 30 Jahren an ein Fest erinnern, dass viele vielleicht verdrängt haben bzw. in der Zeit mit anderen Dingen beschäftigt waren, so dass viel über die Zeit während des Umbruchs, des Kriegsendes berichtet wird, viel über die Zeit allgemein philosophiert wird, aber eben wenig konkret über die Lebensumstände im Winter 1945 erzählt wird. Einige tun dies aber, wie z.B. Leonie Ossowski, die so eindringlich über die Schwierigkeit ein Essen für den Heiligen Abend vorzubereiten berichtet und diese Berichte werden mir in Erinnerung bleiben, die anderen leider gar nicht.

Folgende Erinnerungen sind in diesem Buch enthalten:

  1. Heinrich Albertz: Celler Weihnachten
  2. Wolf Graf von Baudissin: Schmollende Götterdämmerung
  3. Klaus von Bismarck: Von Weihnachten zu Weihnachten
  4. Heinrich Böll: Hoffentlich kein Heldenlied
  5. Christine Brückner: Altgewordene Kinder des Dritten Reichs
  6. Fritz Brühl: Bilder aus einer verstörten Stadt
  7. Walter Dirks: Zwiespältige Erfahrungen
  8. Josef Ertl: Aufbruch aus der Stunde Null
  9. Heinz Friedrich: Versuch einer Erinnerung
  10. Martin Gregor-Dellin: Marginalien über kein Weihnachten
  11. Hildegard Hamm-Brücher: Weihnachtsgeschichte 1945
  12. Joseph Kardinal Höffner: Neuer Aufbruch des Glaubens
  13. Walther Leisler Kiep: Gespräch über alle Grenzen
  14. Heinz Kühn: Heimkehr aus dem Exil
  15. Siegfried Lenz: Eine Art Bescherung
  16. Richard Löwenthal: „Denk‘ ich an Deutschland“ von England aus
  17. Lola Müthel: Eine Schauspielerin in Deutschland
  18. Leonie Ossowski: Das Weihnachtsessen
  19. Klaus Piper: 1945. Einige Reflexionen, damals und heute
  20. Annemarie Renger: Die erste Friedensweihnacht – zur Zukunft entschlossen
  21. Luise Rinser: Von der Liebe zum Menschen
  22. Walter Scheel: Ohne Angst vor der Zukunft
  23. Franz Wördemann: Weihnachten 1945. Vergeblicher Versuch, einen Punkt zu vermessen
  24. Peter von Zahn: Weihnachten der Einsamen

Bewertung: 2,5 von 5 Punkten

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Die letzten Giganten – Guns N‘ Roses (Mick Wall)

Veröffentlicht 3. Januar 2018 von erlesenebuecher

Troubadour, Verspätung & one in a million

Appetithäppchen: Guns N‘ Roses waren von Anfang an, was jede große Rockband sein wollte, aber kaum eine jemals war: wild und gefährlich. In einer Zeit, in der die grinsenden MTV-Lieblinge und Anti-Drogen-Rocker von Bon Jovi als größte Band der Welt galten, wirkten sie wie frisch aus der goldenen Ära des Rock in unsere biedere Gegenwart katapultiert. Schon als die Bandmitglieder noch gemeinsam im berüchtigten Hell House in Los Angeles lebten, wo sie ihrem Motto „Live like a suicide“ alle Ehre machten, gehörte der Autor dieses Buchs zum engeren Zirkel – bis ihn Frontmann Axl Rose öffentlich an den Pranger stellte. Doch Mick Wall geht es nicht darum, alte Rechnungen zu begleichen: Diese Biografie ist die aufrichtige Würdigung einer Band, deren Mitglieder vielleicht die letzten Überlebenden einer ausgestorbenen Spezies sind: überlebensgroße Rockstars, die sich immer schon einen Dreck um Konventionen und Kompromisse scherten. Die letzten Giganten.

Verfasser: Mick Wall ist der bekannteste britische Rock-Biograph. Er ist der Autor von den Büchern „W.A.R.: The Unauthorized Biography of William Axl Rose“, „When Giants Walked the Earth: A Biography of Led Zeppelin“ und „Enter Night: A Biography of Metallica“. Er lebt in London.

[Overamstel Verlag (2017)]

Meine Meinung: Auf dieses Buch habe ich mich besonders gefreut. Ich bin seit den frühen 90ern ein großer Fan dieser Band und habe sie bereits mehrmals live gesehen. Das Buch war also ein Muss! Ich habe bereits vor etlichen Jahren Mick Walls Biographie über Axl gelesen und war nicht ganz so begeistert. Das Verhältnis der beiden ist ja auch etwas schwierig. Außerdem kenne ich ebenfalls diese kleinere Bandbiographie oder besser Fanbuch bzw. Bildband von Jens Schmiedeberg. Des Weiteren habe ich die Biographie von Duff gelesen. Trotzdem hat sich gerade in den letzten Jahre noch einmal so viel getan und da versprach dieses Buch das aktuellste zu sein. Es reicht bis ins Jahr 2017 hinein.

Insgesamt lässt sich sagen, dass dieses Buch wohl eine Zusammenfassung sämtlicher Biographien über Guns N‘ Roeses ist. Es enthält etliche Informationen aus Büchern, Interviews und Internetseiten und scheint wirklich gut recherchiert zu sein. Ob Mick Wall versucht wirklich neutral gegenüber den Lagern Axl vs. Slash/Duff zu sein, ist schwer zu sagen. Es scheint manchmal so, aber teilweise kommt es einem schon sehr wohlwollend Axl gegenüber vor. Was natürlich auch daran liegt, dass Doug Goldstein sehr oft zu Wort kommt und der Axl ja halb im Arsch hing und alles für ihn gemacht hat, weil er ihn ja so liebte (das wird immer wieder betont). Deutlich wird aber auch – und das ist Fakt -, was für ein besonderer Charakter Axl ist und nicht umsonst war und bin ich ein großer Fan von ihm. Früher fand ich ihn wirklich so unglaublich toll. Aber man hatte ja auch nicht wirklich Ahnung als kleiner Teenagerfan. Er ist zweifellos einer der größten, faszinierensten Frontmänner und ohne ihn hätte GNR es nie so weit geschafft, aber er war eben auch ein Riesenarschloch und das kommt mir etwas zu kurz in dem Buch bzw. wird nicht deutlich genug ausgesprochen – von seinen Bandkollegen anscheinend nie direkt (was ich mir gar nicht vorstellen kann). Außerdem ist nicht nachvollziehbar, was in den letzten Jahren mit ihm passiert ist. Warum hat er sich, was die Arbeitsmoral und Empfindlichkeit angeht plötzlich so gewandelt? Und auch äußerlich bzw. sein Verhalten auf der Bühne ist er doch nicht eine ältere Version von dem Axl, den man von früher kennt. Da wirken ja die Ex-Drogenjunkies – zu denen er ja eben nicht gehört – Slash und Duff wie gesunde, fitte, gutaussehende etwas ältere Männer. Es gibt also einige Lücken, die auch Mick Wall nicht füllen konnte.

Es wird auf jeden Fall eine bewegte, aufregende, unterhaltsame und einmalige Bandgeschichte deutlich, die vor allem den Frontmann in den Mittelpunkt stellt. Sie wirkt gut recherchiert, allerdings blieben für mich die richtigen Insiderinformationen, vor allem aus den Spitzenzeiten der frühen 90er, eher mangelhaft. Ich habe da auf eindeutig mehr gehofft, allerdings ist es wohl so, dass die Beteiligten sich kaum daran erinnerten. Ein Wunder, dass alle fünf Gründungsmitglieder noch leben. Spannend wäre es, wenn Axl mal endlich eine eigene Biographie veröffentlich oder es wirklich mal einen Film über die Band gegeben würde.

Was den Lesefluss leider etwas störte, waren die vielen Rechtschreib- bzw. Druckfehler.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

Totenstille Nacht (Jan Costin Wagner [Hrsg.])

Veröffentlicht 2. Januar 2018 von erlesenebuecher

Mondmilch, Hotel Transit & Zündhölzer

Appetithäppchen: 24 Tage bis Heiligabend – 24 Tage voller Seligkeit! Wirklich? Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, wenn gute Freunde nach dem dritten Glühwein ihr wahres Gesicht zeigen oder die liebe Verwandtschaft zu Hause einfällt, werden mitunter Mordgedanken wach. Und nicht immer bleibt es beim Gedanke: Für manch einen endet die Nacht tatsächlich totenstill…

Verfasser: Jan Costin Wagner wurde 1972 geboren. Er lebt als freier Schriftsteller und Musiker im Raum Frankfurt und in Finnland. Sein Debüt „Nachtfahrt“ wurde 2002 als bester Kriminalroman des Jahres mit dem Marlowe-Preis ausgezeichnet. Es folgten die Romane „Eismond“, der für den Los Angeles Times Book Prize nominiert wurde, sowie „Schattentag“, „Das Schweigen“, für den er 2008 den Deutschen Krimi Preis erhielt, und „Im Winter der Löwen“. 2011 erschien der vierte Kimmo-Joen-raa-Roman „Das Licht in einem dunklen Haus“. Seine Romane wurden in 14 Sprachen übersetzt. Im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschien 2010 „Mordsweihnachten“, der erste von Jan Costin Wagner herausgegebene kriminielle Adventskalender. Zudem brachte Wagner 2010 seine erste Songwriter-CD „behind the lines“ heraus. Der Autor ist verheiratet mit der finnischen Künstlerin Niina Wagner.

[Rowohlt Taschenbuch Verlag (2012)]

Meine Meinung: Ich bin und bleibe kein großer Fan von Kurzgeschichten. Immer wenn man sich einigermaßen eingelesen hat, ist die Story schon vorbei. Das empfinde ich als etwas anstrengend und nervig. Allerdings hat so ein literarischer Adventskalender schon etwas. Die Geschichten waren nie langweilig, meist etwas überraschend, unterhaltsam und jeden Tag hat man einen kurzen Input bzw. Gedanken. Allerdings habe ich ihn auch schnell wieder vergessen, spätestens, wenn man in der nächsten Geschichte steckt.

Ein weiterer Punkt, der mich fast jeden Tag kurz stocken ließ, war natürlich an sich nicht überraschend, aber irgendwie hatte ich das immer nicht auf dem Schirm beim Lesen. Das Buch heißt ja „Totenstille Nacht“ und das nicht ohne Grund. Es geht um Verbrechen und meist um einen Toten. Ich habe aber eben immer noch auf ein Happy End gehofft – weil doch Weihnachten ist – und wurde enttäuscht.

Die Geschichten haben natürlich ganz unterschiedliche Schreibstile, in die man sich auch erstmal reinfinden muss und andere Thematiken, wobei es natürlich oft um Enttäuschungen, Depressionen oder Rache geht.

Wenn ich jetzt überlege, welche Geschichte ich am besten fand bzw. welche mir am ehesten im Gedächtnis blieb, war es vielleicht „Personenschaden“ von Stefan Valentin Müller. Ein Lokführer hat mit der Erinnerung, dass ein Selbstmörder sich vor seinen Zug geworfen hat, zu kämpfen. Zusätzlich verlässt ihn seine Frau wegen seines besten Kollegens. Also trifft er eine schicksalhafte Entscheidung…

Insgesamt findet man folgende 24 Kurzgeschichten in diesem Buch:

  1. Weihnachtsengel (Jan Costin Wagner)
  2. Driving Home for Chr- Chr- Christmas (Lukas Erler)
  3. Klick! (Wulf Dorn)
  4. Familienfest (Marc Elsberg)
  5. Flint (Alexandra Kui)
  6. Märchen mit Zündhölzern (Volker Kutscher)
  7. Nach dem Fest (Ralf Kramp)
  8. Ein milder Stern (Ingrid Noll)
  9. Ein (fast) perfekter Mord (Wolfgang Schorlau)
  10. Nach dem Krieg (Oliver Bottini)
  11. Flucht ins Ungewisse (Kurt Palm)
  12. Stille Nacht, bitte! (Dietrich Faber)
  13. Santa Lucia (Susanne Mischke)
  14. Personenschaden (Stefan Valentin Müller)
  15. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier… (Alex Reichenbach)
  16. Henkersweihnacht (Stephanie Fey)
  17. Warnung (Klaus-Peter Wolf)
  18. Vollkommene Stille (Mia Morgowski)
  19. Hotel Transit (Horst Eckert)
  20. Mutterliebe (Christa von Bernuth)
  21. Der Adventskalender. Oder Weihnachten auf Mafia-Art (Herbert Knorr)
  22. Rupert (Friedrich Ani)
  23. Mondmilch (Rainer Gross)
  24. Von Engeln und anderen Gefahren (Barbara Krohn)

Bewertung: 3,5 von 5 Punkten

Black Dagger Legacy 2 – Tanz des Blutes (J. R. Ward)

Veröffentlicht 2. Januar 2018 von erlesenebuecher

BABU, Psychologiestudium & Kamin

Appetithäppchen: Der junge Vampirkrieger Axe ist ein Bad Boy, wie er im Buche steht: am ganzen Körper tätowiert, verschlossen und draufgängerisch. Mit der Liebe hat Axe eher wenig am Hut, mit schnellem, unverbindlichem Sex umso mehr. Doch er war nicht immer so. Erst ein tragischer Schicksalsschlag in seiner Jugend machte ihn zu dem melancholischen Einzelgänger, der er heute ist. Nur die Hoffnung, bei den Black Dagger aufgenommen zu werden, verleiht seinem Leben noch Sinn, und so konzentriert sich er voll und ganz auf das Trainingsprogramm der Bruderschaft. Aber dann kommt der Tag, an dem Axe der Aristokratentochter Elise als Bodyguard zugeteilt wird. Mehr und mehr fühlt er sich zu der schönen, klugen Vampirin hingezogen, und entgegen aller Vernunft beginnen die beiden eine stürmische Affäre miteinander. Doch gerade, als sich die erotische Leidenschaft in Liebe zu verwandeln scheint, wird Axe von seiner dunklen Vergangenheit eingeholt…

Verfasserin: J. R. Ward begann bereits während ihres Studiums mit dem Schreiben. Nach ihrem Hochschulabschluss veröffentlichte sie die Black Dagger-Serie, die in kürzester Zeit die amerikanischen Bestseller-Listen eroberte. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Golden Retriever in Kentucky und gilt seit dem überragenden Erfolg der Serie als neuer Star der romantischen Mystery.

[Wilhelm Heyne Verlag (2017)]

Meine Meinung: Wer von Black Dagger nicht genug kriegen kann, ist bei dieser Spin-off-Reihe genau richtig. Die Geschichte rund um die Brüder oder besser um einen Ausschnitt von ihnen geht weiter, allerdings sind die Hauptcharaktere die jungen Schüler der Black Dagger: Craeg, Paradise, Peyton, Novo, Boone und Axe. Craeg und Paradise haben wir ja schon im ersten Teil der Black Dagger Legacy-Reihe kennen gelernt. In diesem Buch geht es nun um Axe, der um seine finanzielle Lage zu verbessern neben seiner Ausbildung einen Job als Leibwächter annimmt. Er soll die Glymera-Tochter Elise bei ihrem Psychologiestudium begleiten. Nur fühlen sich beide – bei allen Unterschieden – sofort zueinander hingezogen und es kommt, was kommen muss. Allerdings haben beide noch einige Familiengeschichten aufzuarbeiten…

Nebenbei wird die Ausbildung der jungen Rekruten fortgesetzt, bei der Bruder Rhage maßgeblich beteiligt ist. Dieser ist dem Tod gerade von der Schippe gesprungen und lebt trotzdem weiterhin gefährlich. Allerdings hat er gelernt besser auf sich aufzupassen, da jetzt eine kleine Familie auf ihn wartet. Mary und er haben die Waise Bitty bei sich aufgenommen. Sie wachsen immer mehr zusammen, als plötzlich Bittys Onkel auftaucht und die Familie auseinander zureißen droht…

Die Geschichte zwischen Axe und Elise lief mir etwas zu glatt in diesem Teil, aber auch alles andere wäre ja nicht neu. Die Geschichte rund um Bitty fand ich – wie schon in den Hauptbüchern über sie und Rhage und Mary – zu dick aufgetragen und eher kitschig. Ich freue mich immer sehr, wenn Lassiter auftaucht, allerdings führten seine häufigen Auftritte bei Bitty und Co eher dahin, ihn etwas kitschig und nervig werden zulassen. Das muss Frau Ward aber unbedingt verhindern, da er ja einer der Besten ist.

Es ist wieder einmal ein tolles Buch über die Black Dagger. Frau Ward schafft es immer wieder die Charaktere toll auszuarbeiten, wobei sie ihrem Schema treu bleibt. Kaputter Typ findet reiches, unschuldiges, gebildetes Mädchen und nur von ihr lässt er sich plötzlich zähmen. Helfersyndrom lässt grüßen und die Wünsche vieler Frauen werden erfüllt. Gibt es eigentlich auch Männer, die diese Serie lesen? Es ist alles voller Klischees und wiederholt sich mit geringfügigen Abweichungen. Aber trotzdem habe ich noch nicht genug, wobei selbst ich mich frage, wann es denn mal reicht. Tja noch nicht. Peyton und Novo warten im nächsten Band auf mich, genauso wie Layla und Xcor in der Hauptlinie.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Hier geht es zum 1. Teil

Märchenmond (Wolfgang und Heike Hohlbein)

Veröffentlicht 9. Dezember 2017 von erlesenebuecher

ABGEBROCHEN!

Appetithäppchen: Der Mond schien nicht mehr durch das Fenster herein. Es herrschte tiefe, rabenschwarze Nacht. Plötzlich hörte Kim ein leises, knarrendes Geräusch. Der Schaukelstuhl im Zimmer bewegte sich sacht vor und zurück. In ihm saß ein weißhaariger, bärtiger alter Mann. „Nur du, Kim, kannst deine Schwester retten“, sagte er. Seit Tagen liegt Kims Schwester Rebekka bewusstlos im Krankenhaus. Ihre Seele wird im Lande Märchenmond vom Zauberer Boraas, dem Herrn des Schattenreiches, gefangengehalten. Kim ist der einzige, der sie befreien kann. „Aber ich muss dich warnen“, sagt der alte Mann, „es könnte gefährlich werden.“ Es wird gefährlicher, als selbst er oder Kim ahnt…

Verfasser: Wolfgang Hohlbein (* 15. August 1953 in Weimar) ist ein deutscher Schriftsteller in den Genres Horror- Science-Ficton- und Fantasyliteratur. Mit rund 43 Millionen verkauften Büchern zählt er zu den erfolgreichsten Autoren Deutschlands. Sein Durchbruch gelang ihm 1982 mit dem zusammen mit seiner Frau Heike Hohlbein (* 3. November 1954 in Neuss) verfassten Roman „Märchenmond“. Laut Hohlbeins Angaben ist sie es, die das „zauberhafte Element“ in seinen Fantasy-Romanen hinzufüge. Wolfgang Hohlbein lebt in Neuss.

[Ueberreuter (1983)]

Meine Meinung: Jetzt gegen Ende des Jahres leider schon das zweite Buch, welches ich abbrechen musste. Ich habe aber auch ein wenig das Gefühl, seitdem ich umfangreich – das erste Mal in meinem Leben – Bücher aussortiert habe, breche ich etwas leichter Bücher ab, da ich noch so viele gute Bücher habe, die auf meinem SuB warten und ich keine Lebenszeit mehr für Bücher, die mir nicht gefallen, verschwenden will.

Aber hier ist der Fall auch etwas anders. Ich habe das Buch bereits zweimal in den 90ern gelesen und ich kann mich eindeutig erinnern, dass ich es super fand. Nun dachte ich, wird es Zeit, es mal wieder zu lesen, da der Inhalt sich doch nicht so richtig in meinem Gedächtnis verankert hat. Jedoch merkte ich relativ schnell, dass es momentan so gar nichts für mich ist. Ich musste schon zu Beginn ständig an „Die Brüder Löwenherz“ und auch „Mio, mein Mio“ denken, wobei mir dieses Buch hier als billiger Abklatsch vorkam. Das wurde im Verlauf des Buches immer schlimmer. Es kamen viele Motive von „Herr der Ringe“ und „Der König von Narnia“ vor und ich ärgerte mich immer mehr.

Es war für mich ein sehr zähes Unterfangen (nach der Hälfte gab ich auf) und mit dem Protagonisten Kim kam ich gar nicht klar. Ein kleiner Junge, der plötzlich wie ein erfahrener Kämpfer agierte und seine Schwester, wegen der er in das Land Märchenmond kam, völlig vergaß. Schade, dass ich das alte Gefühl nicht wiederaufleben lassen konnte. Ich hatte mich wirklich auf das Buch gefreut, da ich es in so guter Erinnerung hatte. Mal sehen, ob es irgendwann in meinem Leben doch noch eine Chance für das Buch gibt.

Bewertung: 2 von 5 Punkten

Bridget Jones‘ Baby (Helen Fielding)

Veröffentlicht 7. Dezember 2017 von erlesenebuecher

Delfinfreundlich, Hallo England & SWDB

Appetithäppchen: Bridget Jones hört sie schon seit einiger Zeit ticken: ihre biologische Uhr. Und auch ihr Bekanntenkreis wird nicht müde, sie darauf hinzuweisen, dass das Thema Nachwuchs langsam drängt. Und dann führt eine Abfolge chaotischer Ereignisse schließlich zu der großen Nachricht: Bridget ist schwanger! Allerdings nicht ganz wie geplant – und turbulent geht es prompt weiter. Bridget stolpert durch aufregende Monate voller gut gemeinter Ratschläge selbstgefälliger Mütter, voller Konfusion bei Ultraschalluntersuchungen und Geburtsvorbereitungskursen, voller Vorfreude, Verzweiflung und voller mit Käse überbackener Ofenkartoffeln. Und über allem schwebt die Frage: Wer ist der Vater?

Verfasserin: Helen Fielding wurde in Yorkshire geboren, studierte in Oxford und begann 1979, als Reporterin für die BBC zu arbeiten. Später war sie als Journalistin und Kolimnistin für verschiedene Zeitungen tätig, darunter auch für den Independent, wo ihre Kolumnen mit den originellen und urkomischen Tagebucheintragungen einer gewissen Bridget Jones schon bald Leserinnen begeisterten. 1997 erschien der Roman „Schokolade zum Frühstück“, der sich rasch zu einem weltweiten Bestseller entwickelte. Nie zuvor hatte jemand mit so viel Witz und Selbstironie die alltäglichen Nöte und Sorgen einer jungen Frau beschrieben. Auch mit den Fortsetzungen des Kultbuches – „Bridget Jones: Am Rande des Wahnsinns“, „Verrückt nach ihm“ und zuletzt „Bridget Jones‘ Baby“ – sowie den Verfilmungen eroberte die Autorin ein Millionenpublikum. Helen Fielding lebt mit ihren beiden Kindern in London und machmal in Los Angeles.

[Goldmann (2016)]

Meine Meinung: Ich mag Bridget Jones sehr gern und fand auch die Filme wirlich gut. Aber hier war ich doch etwas verwirrt. Nicht nur, dass ich den dritten Film sehen wollte und mir vorher noch schnell das Buch dazu zu Gemüte ziehen wollte. Allerdings stellte sich dann heraus, dass es das vierte Buch ist, welches hier auf mich wartete, und das dritte Buch zu dem Film erst nach dem Film erscheint. Wie doof ich so etwas finde! Zusätzlich ist jetzt im Buch Daniel Cleaver Mark Darcys Konkurrent, im Film war es aber Jack Qwant, ein ganz anderer. Das fand ich schon im Vorfeld etwas konfus.

Das wurde beim Lesen des Buches allerdings nicht sehr viel besser, obwohl es sich sehr schnell durchlesen lässt. Aber es ist so anders als die beiden vorherigen Bände, vor allem Bridget scheint etwas farblos zu sein, genauso wie die beiden Herren. Mark ist ein Spießer vor dem Herrn, den man zwischendurch nicht versteht und Daniel Cleaver ist so schleimig und hat von seinem Charme ab der Mitte des Buches einiges eingebüßt. Zum Glück holt Bridgets Vater einiges raus, der wirklich super ist.

Also eigentlich hätte ich dem Buch kaum Punkte gegeben, aber ich fand den Film wirklich erstaunlich gut und sehr amüsant. Da waren die Charaktere klasse und diese Stimmung hat auf das Buch abgefärbt. Also vielleicht hier sogar gut, dass ich erst den Film gesehen habe und dann das Buch gelesen. So konnte ich mir alles sehr gut und eben lustig, farbenfroh und weniger blass vorstellen.

Bewertung: 3 von 5 Punkten

Auf der Suche nach dem verlorenen Glück (Jean Liedloff)

Veröffentlicht 2. Dezember 2017 von erlesenebuecher

ABGEBROCHEN!

Appetithäppchen: Im Dschungel Venezuelas trifft eine junge Amerikanerin auf die Yequana-Indianer. Fasziniert vom offenkundigen Glück dieser „Wilden“, bleibt sie insgesamt zweieinhalb Jahre bei dem Stamm und versucht, die Ursachen dieses glücklichen und harmonischen Zusammenlebens herauszufinden. Sie entdeckt dessen Wurzeln im Umgang dieser Menschen mit ihren Kindern und zeigt, wie dort noch ein bei uns längst verschüttetes Wissen um die ursprünlichen Bedürfnisse von Kleinkindern exisitiert, das wir erst neu zu entdecken haben.

Verfasserin: Jean Liedloff ist in New York geboren und aufgewachsen. Nach dem Universitätsbesuch unternahm sie mehrere Expeditionen in den venezolanischen Urwald, auf denen sie die Gedanken dieses Buches entwickelte. Von 1968 bis 1970 gab sie die Zeitschrift „The Ecologist“ heraus. Sie starb 2011.

[Verlag C.H. Beck (1980)]

Meine Meinung: Ich kann immer wieder betonen: Ich breche so ungern Bücher ab und zwinge mich oft zähe, langweilige, schlechte Bücher weiterzulesen und ihnen eine Chance zu geben. Aber manchmal merke auch ich, dass es einfach verschwendete Lebenszeit ist. So war es leider auch hier und ich weiß, einige schwören auf dieses Buch und werden diese Rezension nicht lesen oder gleich denken, die hat es wohl nicht verstanden. Aber doch hat sie! Die Botschaft von Frau Liedloff ist enorm wichtig und gerade zu der damaligen Zeit, als das Buch erschienen ist, unglaublich fortschrittlich (oder eher archaisch) und revolutionär. Keine Frage! Ich selbst bin eine Verfechterin des Langzeitstillens, des Familienbettes und weiß um die Bedeutung des Tragens.

Jetzt kommt das „Aber“. Aber ich habe von dem Buch anderes bzw. mehr erwartet. Ich dachte, es geht viel mehr um ihre Expeditionen zu den Yequana-Indianern. Es fing so vielversprechend an, aber dann ging es seitenlang nur noch um ihre „Kontinuumhypothese“. Die ich auch gut finde, die aber dann auch verstanden wurde und nun hätte ich sie gerne mit konkreten Beispielen aus der eigenen Lebenswelt oder eben aus der Welt der Yequana-Indianer gefüllt gesehen. Dem war aber nicht so (zumindes bis S. 64). Für mich war das lauter zäher, theoretischer und leider auch sehr dogmatischer Kram.

Wie gesagt, möchte ich auf keinen Fall die Bedeutung von Liedloffs These schmälern, aber dieses Buch war für mich unerträglich und eben enttäuschend, da anderes erwartet wurde. Ich denke, dass ich es noch nicht weggebe und noch behalten werde, vielleicht überkommt es mich ja doch noch. Allerdings werden meine Kinder ja eher älter und da ich sowieso auf mein Inneres höre, soll ich mir ja – wie Liedloff sagt – nicht reinquatschen lassen.

Bewertung: 1 von 5 Punkten