Rezensionen 2018

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Zahlen (Albrecht Beutelspacher)

Veröffentlicht 16. Februar 2018 von erlesenebuecher

Gleichungen, Binärzahlen & Grenzwerte

Appetithäppchen: Der bekannte Mathematiker Albrecht Beutelspacher hat eine kleine Zahlenkunde für Nichtmathematiker geschrieben. Er zeigt, – welchen Reichtum an Erfahrungsmöglichkeiten die Zahlen bieten, – was man alles mit Zahlen beschreiben kann, – welche erstaunlichen Anwendungen Zahlen haben, – welche Zahlen besonders faszinierend sind und – welche Geheimnisse die Zahlen immer noch ins sich bergen. Darüber hinaus gibt er Antworten auf jene Frage, mit der man bis heute jeden Mathematiker leicht in Verlegenheit bringen kann: „Was ist eigentlich eine Zahl?“

Verfasser: Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher ist Mathematiker an der Universität Gießen. 2002 gründete er das Mathematikum, das erste mathematische Mitmachmuseum der Welt. Beutelspacher erhielt mehrere renommierte Auszeichnungen und ist bekannt dafür, Mathematik unterhaltsam und spannend zu präsentieren.

[Verlag C. H. Beck (2013)]

Meine Meinung: Zahlen sind beruflich mein täglich Brot. Allerdings ist die Schulmathematik schon sehr spannend, aber nur ein kleiner Ausschnitt aus der Welt der Mathematik. Ich habe schon einige Bücher von Beutelspacher gelesen und bin immer wieder erfreut. So auch über dieses kleine Büchlein.

Es sind keine neuen Erkenntnisse, aber sie sind sehr unterhaltsam zusammengestellt bzw. -gefügt. Ich habe mich über jedes Kapitel gefreut und es macht Spaß, die spannende Geschichte der Mathematik zu verfolgen. Vieles kannte ich, habe es aber mal wieder vergessen, so dass ich oft dachte: „Ach ja, das ist ja toll. Stimmt ja, so war das.“ Das machte Spaß!

Ob Nichtmathematiker daran auch so einen Spaß haben? Ich glaube leider nicht so ganz. Falls aber jemand nur ein winziges Interesse daran hat, mal etwas in die Welt der Zahlen einzutauchen und vielleicht auch akzeptieren kann, dass er manchmal nicht alles komplett versteht, aber zumindest einen Einblick bekommen möchte, was alles so möglich ist. Der sollte dieses Buch sehr gern lesen.

Für Mathematiker ist es eine nette, leichte Lektüre, die Spaß macht und vieles in Erinnerung ruft. Besonders mag ich die komplexen Zahlen, welche in meiner Schulzeit noch Thema im Unterricht waren, jetzt leider rausgefallen sind. Sehr schade!

Bewertung: 5 von 5 Punkten

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Shades of Grey 3 – Befreite Lust (El James)

Veröffentlicht 14. Februar 2018 von erlesenebuecher

Traumhaus, Aspen & Handschellen

Appetithäppchen: Als die noch unerfahrene Studentin Ana Steele den attraktiven und faszinierenden Christian Grey kennenlernte, begann sie eine gefährliche Affäre mit ihm, die das Leben von beiden für immer verändert hat. Doch Ana ist von Christians dunklen Leidenschaften verunsichert und verlangt nach einer tieferen Beziehung und mehr Nähe. Zunächst scheint sich Christian tatsächlich auf Ana einzulassen, und die beiden genießen ihre Leidenschaft und die unendlichen Möglichkeiten ihrer Liebe. Aber Ana ist sich bewusst, dass es nicht einfach sein wird, mit Christian zusammenzuleben. Gerade in dem Moment, als ihre Leben alle Hindernisse zu überwinden scheint, werden Ana und Christian Opfer von Missgunst und Intrigen. Anas schlimmste Albträume werden wahr. Und sie muss sich endlich Christians Vergangenheit stellen…

Verfasserin: Die britische Autorin El James ist Mutter von zwei Kindern und war – bis vor kurzem – Angestellte eines TV-Senders in London. Ihre „Shades of Grey“-Trilogie erschien in einem kleinen australischen Verlag und wurde durch reine Mundpropaganda zu einem der sensationellsten internationalen Bucherfolgen der letzten Zeit. Die Übersetzungsrechte wurden in über 40 Länder verkauft, die Filmrechte an der Trilogie haben sich Universal Pictures und Focus Features gemeinsam gesichert. El James lebt in London.

[Goldmann (2012)]

Meine Meinung: „Ich liebe dich!“ – „ICH liebe dich!“ – „Nein, ICH liebe dich viel mehr.“ – „Aber ich wollte dir noch eines sagen, vergiss es nie: Ich liebe dich!“ – „Übrigens liebe ich dich.“

„Ich gehe heute zur Arbeit.“ – „Nein, du brauchst nicht arbeiten.“ – „Ich würde aber gerne.“ – „Nein, ich mache mir Sorgen. Ich bestimme, dass du nicht gehst. Mach doch endlich mal, was man dir sagt!“ – „Ok“… Oh, ich liebe meinen kontrollsüchtigen Ehemann. Ich bin ja auch nur so ein kleines Mäuschen, dessen einziger Existenzgrund ist, dass ich für meinen Ehemann da bin, den ich ja so liebe und der so reich ist und so gut aussehend und so abgefuckt, aber auch so liebenswert. Manchmal habe ich zwar etwas Angst vor ihm, aber er ist so sexy, wie könnte ich ihm da nicht vertrauen…

Kotz, Würg, Spei!

So geht es in etwa das ganze Buch über! Es ist kaum zum Aushalten und würde mich nicht der Kinofilm erwarten, von dem ich mir wieder – wie bei den letzten Filmen – einen lustigen Abend erwarte, da es einfach so lächerlich ist. Ich sage nur „Pauschenpferd“. Jedenfalls habe ich nur deshalb nicht abgebrochen und ich dachte immer, es muss doch noch etwas passieren, da das Buch so dick ist. Aber wann immer etwas Handlung aufkam, wurde wieder Sex oder kitschiges Liebesgeflüster seitenlang eingestreut.

Die beiden Protagonisten finde ich so so ätzend. Ich weiß gar nicht, wer schlimmer ist. Vielleicht der Herr Grey, da ich eigentlich solch komplizierten Charaktere gut finde, aber hier wird der ja nur als toll und sexy und reich und gutaussehend dargestellt, obwohl er doch eigentlich furchtbar ist. Ach ja, er selbst verfällt natürlich in Selbstmitleid und sagt, dass auch von sich. Aber Ana hat ja immer Verständnis, da vielleicht wurde es noch nicht deutlich, sie ihn so liebt. Kitsch! Tropf! Ihgitt!

Bewertung: 1 von 5 Punkten

Hier geht es zum 2. Teil

Emil und die Detektive (Erich Kästner)

Veröffentlicht 14. Februar 2018 von erlesenebuecher

Hundertvierzig Mark, Nikolsburger Platz & der kleine Dienstag

Appetithäppchen: Zum ersten Mal darf Emil allein nach Berlin fahren. Seine Großmutter und die Kusine Pony Hütchen erwarten ihn am Bahnhof Friedrichstraße. Aber Emil kommt nicht, auch nicht mit dem nächsten Zug. Während die Großmutter und Pony Hütchen noch überlegen, was sie tun sollen, hat Emil sich schon in eine aufregende Verfolgungsjagd gestürzt. Quer durch die große fremde Stadt, immer hinter dem Dieb her, der ihm im Zug sein Geld gestohlen hat. Zum Glück bekommt Emil bald Unterstützung: von Gustav Hupe und seinen Jungs.

Verfasser: Erich Kästner. Der Autor vieler weltbekannter Kinderbücher, ausgezeichnet u.a. mit dem Büchner-Preis und der Hans-Christian-Andersen-Medaille, hat einmal gesagt: „Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Früher waren sie Kinder; dann wurden sie erwachsen, aber was sind sie nun? Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“

[Dressler (2010)/ Atrium Verlag (1935)]

Meine Meinung: Irgendwie ist das Buch in meiner Vergangenheit immer an mir vorbei gezogen. Ich kannte es natürlich vom Hören und habe auch den Inhalt grob mitbekommen. Aber vor längerer Zeit habe ich mir das Buch nun doch gekauft und dachte, dass es eines der Bücher ist, die man mal gelesen haben muss.

Ich habe das Buch meinem älteren Sohn vorgelesen und das hat wirklich Spaß gemacht, da er es spannend und aufregend fand. Leider kann ich dem nicht voll zustimmen. Aber so konnte ich mir gut vorstellen, dass ich das Buch als Kind ebenfalls sehr gut gefunden hätte. Und es ist, das muss man sagen, ein gutes Kinderbuch, das man ohne Weiteres seinen Kindern auch heute noch vorlesen kann.

Am witzigsten war für mich die Sprache der Berliner Kinder und ihre ganze Organisation. Mein Sohn hingegen fand den Diebstahl von so viel Geld sehr aufregend, und dass die Kinder dann wirklich den Täter schnappten. Ebenfalls fand er Gustav mit der Hupe toll. Öfter haben wir über die Beziehung zwischen Emil und seiner Mutter gesprochen, da mein Sohn es schwierig fand, diese einzuschätzen, da sie geschimpft hat, aber eben auch froh und lieb war. Das war ein Widerspruch, fand er. Ich habe mich gefreut, dass wir solch zwischenmenschliche Beziehungen thematisieren konnten.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Harry Potter und die Kammer des Schreckens [Illustrierte Schmuckausgabe] (J. K. Rowling/ Jim Kay)

Veröffentlicht 3. Februar 2018 von erlesenebuecher

Phönixtränen, Tagebuch & Alraunen

Appetithäppchen: Als im Ligusterweg ein aufgeregter kleiner Hauself namens Dobby auftaucht und Harry eindringlich davor warnt, nach Hogwarts zurückzukehren, vermutet dieser, dass sein Erzfeind Draco Malfoy dahintersteckt. Doch die unheimliche Warnung, die wenig später in einem dunklen Gang der Schule auftaucht, bestätigt Dobbys Voraussage: Etwas Furchtbares wird geschehen… In seinem zweiten Jahr in Hogwarts trifft Harry auf magische Wesen, findet ein verzaubertes Tagebuch und erfährt mehr über Hagrids Vergangenheit. Aber vor allem versucht er, zusammen mit Ron und Hermine, eine sagenumwobene Kammer aufzuspüren – und das tödliche Geheimnis darin. Was die Autorin und der Illustrator hier gemeinsam geschaffen haben, wird sowohl neue Leser als auch Fans der weltbekannten Serie verzaubern.

Verfasser: J. K. Rowlings Harry-Potter-Romane haben weltweit Rekorde gebrochen. Sie wurden in 78 Sprachen übersetzt, über 450 Millionen Mal verkauft, sind vielfach ausgezeichnet worden und haben auch im Kino Fans auf der ganzen Welt begeistert. Es gibt drei Begleitbände zur Serie, die J. K. Rowling für wohltätige Zwecke geschrieben hat: „Quidditch im Wandel der Zeiten“, „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ und „Die Märchen von Beedle dem Barden“. 2012 gründete sie Pottermore, ein Online-Portal, auf dem Fans noch tiefer in die magische Welt eintauchen können. J. K. Rowling erhielt zalhreiche Auszeichnungen, u.a. den britischen Ritterorden Order of the British Empire und den Hans Christian Andersen Preis. Jim Kay studierte Illustration an der University of Westminster und arbeitete nach seinem Abschluss für die Archive der Tate-Britain-Gallerie in London und für die Royal Botanic Gardens in Kew. Auf einer Austellung seiner Werke wurde er von einem Verleger angesprochen und damit begann seine Karriere als freiberuflicher Illustrator. Für seine Bilder zu „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness erhielt er 2012 die renommierte Kate Greenaway Medal und den Deutschen Jugendliteraturpreis. Heute lebt Jim Kay in Northamptonshire.

[Carlsen (2016)]

 

Meine Meinung: Tja, was kann ich noch sagen. Es ist immer wieder, wirklich auch nach dem fünften Mal, schön, dieses Buch oder auch eines der anderen zu lesen. Es macht so viel Freude, ist gut geschrieben, voller gut durchdachter Ideen und wunderbaren Charakteren. Dieses Mal war es besonders toll, da ich ja meinem ältesten Sohn die Schmuckausgaben vorlese. Es macht mir sehr viel Spaß, die ganze Geschichte noch einmal durch seine Augen zu erleben und mit ihm darüber zu reden.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ fand mein Sohn besonders spannend und war von der unheimlichen Stimme, die nur Harry hört, von Anfang an fasziniert. Er war natürlich sofort der Meinung, dass es Voldemort sein muss. Etwas schwierig war es aber für ihn die Charaktere richtig einzuschätzen. So hat er z.B. lange geglaubt, dass Lockhart wirklich toll ist und so viele Sachen kann oder dass Hagrid die Kammer geöffnet hat, fand er erst nicht besonders abwegig. Aber am meisten hat ihn am Ende beschäftigt, dass Tom Riddle nicht nett und gut ist.

Mir selbst sind auch wieder einige Facetten durch seine Sichtweise klar geworden und vor allem ist Harry für meinen Sohn der größte, strahlend weiße Held und so ganz habe ich ihn eigentlich nie so gesehen, zumindest nicht nur, aber irgendwie verstehe ich meinen Sohn schon…

Großartig fand wir besonders das Quidditch-Spiel, Dobby und das fliegende Auto. Besonders viel mussten wir über Reinblüter, Muggelstämmige und Squibs diskutieren. Ich persönlich fand wieder einmal die Alraunen und Fawkes super, aber die interessierten meinen Sohn nicht so sehr.

Ach so, zu den Bildern sollte ich wohl auch noch etwas schreiben. Leider waren es schon deutlich weniger als im ersten Teil – empfand ich zumindest so, da es wohl mehr Text und das Buch schon sehr unhandlich ist. Die Bilder sind wunderschön, orientieren sich am Film, haben aber ihren ganz eigenen Charme. Wir waren besonders von den Bildern zur Todestagsfeier begeistert.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

Hier geht es zum 1. Teil.

Das Lied von Eis und Feuer 1 – Die Herren von Winterfell (George R. R. Martin)

Veröffentlicht 30. Januar 2018 von erlesenebuecher

Schattenwolf, Schnee & Rechte Hand

Appetithäppchen: Eddard Stark, der Lord von Winterfell, lebt mit seiner Familie im kalten Norden des Königreichs Westeros, und er weiß, dass der nächste Winter Jahrzehnte dauern wird. Als der engste Vertraute seines Königs und alten Freundes Robert Baratheon stirbt, soll Eddard an dessen Stelle treten. Für die Zeit, die er am Königshof zubringen muss, überträgt Eddard die Herrschaft über Winterfell an seinen Erben Robb – während sich sein Bastardsohn Jon den Kriegern der Nachtwache anschließt. Doch Robert Baratheon ist nicht mehr der starke Herrscher, der er einst war, und um den Eisernen Thron scharen sich Intriganten und feige Meuchler. Eddard sieht sich plötzlich von mächtigen Feinden umzingelt und muss hilflos zusehen, wie seiner vielköpfige Familie in alle Winde verstreut wird. Die Zukunft des gesamten Reiches Westeros steht auf dem Spiel…

Verfasser: George Raymond Richard Martin, 1948 in Bayonne/ New Jersey geboren, veröffentlichte seine ersten Kurzgeschichten im Jahr 1971 und gelangte damit in der Science-Fiction-Szene zu frühem Ruhm. Gleich mehrfach wurde ihm der renommierte Hugo Award verliehen. Sein mehrteiliges Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ wird einhellig als Meisterwerk gepriesen. George R. R. Martin lebt in Santa Fee, New Mexico.

[blanvalet (1997)]

Meine Meinung: Endlich habe ich dieses Buch gelesen. Es wartet schon so lange und ich war schon voller Vorfreude. Ich möchte auch endlich bei „Game of Thrones“ einsteigen, da ich weiß, dass diese Serie bestimmt voll mein Ding ist ist. Aber natürlich müssen vorher die Bücher gelesen werden. Und das Gute ist, ich wurde null enttäuscht. Das erste Buch bietet alles, was das Fantasyherz vergehrt.

Den Leser erwartet eine ausgeklügelte Welt und zahlreiche ausgefeilte Charaktere. Gerade die machen das Buch so lesenswert und lassen einen süchtig eine Seite nach der anderen verschlingen. Man muss zwar schon genau aufpassen, um all die Charaktere auf dem Schirm zu haben, nicht zu verwechseln oder zu vergessen. Zum Glück helfen hinten im Buch die Anhangseiten, auf denen die einzelnen Häuser nochmals aufgeführt werden.

Jedes Kapitel ist aus der Sicht eines anderen Protagonisten erzählt, so dass man deren Innenleben kennen lernt und viele Facetten der Geschichte erlebt. Jeder ist irgendwie toll, faszinierend und gut, aber eben auch ambivalent, folglich hinterrücks, starr, listig, naiv oder egozentrisch. Das macht den Zauber gerade aus.

Eddard Stark ist auf jeden Fall einer meiner Lieblingscharaktere. Aber auch Dany, die Drachenprinzessin, und der Zwerg Tyrion haben es mir angetan. Nicht zu vergessen sind die verschiedenen Stark-Kinder, welche ebenfalls großartig sind und und und.

Dieses Buch ist der Beginn eines Riesenepos, bei dem ich mich schon sehr auf den zweiten Teil freue und vor allem auf die erste Staffel „Game of Thrones“.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

Wunder (Raquel J. Palacio)

Veröffentlicht 17. Januar 2018 von erlesenebuecher

Freundlichkeit, Nieselregen & Astronautenhelm

Appetithäppchen: August ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner großen Schwester Via in New York. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. August ist es gewöhnt, angestarrt zu werden, und er weiß, dass die meisten Schüler nicht absichtlich gemein zu ihm sind. Sie sind bloße verunsichert. Natürlich ist es sein sehnlichster Wunsch, nicht weiter aufzufallen, ein ganz normaler Junge zu sein, Freunde zu finden. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist wie August.

Verfasserin: Raquel J. Palacio lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in New York. Zwanzig Jahre lang gestaltete sie als Art Director die Cover für die Bücher anderer Leute und wartete auf den richtigen Moment, ihr eigenes Buch zu schreiben. Dann traf sie eines Tages vor einem Eisladen ein ganz besonderes Kind, und der Moment war gekommen. „Wunder“ ist ihr erster Roman.

[Carl Hanser Verlag (2013)]

Meine Meinung: Schön, schöner, „Wunder“!

Selten gibt es Bücher, die mich noch richtig überraschen. Die meisten Geschichten kennt man ja schon so oder so ähnlich. Auch das Thema dieses Buches ist nicht unbekannt, spätestens seit dem beeindruckenden Film „Die Maske“ mit Cher ist es bei mir verwurzelt. Aber trotzdem überrascht dieses Buch durch Einfühlungsvermögen, Wärme, Freundlichkeit und Liebe. Hört sich kitschig an, ist es aber gar nicht.

Die Autorin überzeugte mich vor allem durch ihren Perspektivenwechsel. So wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht verschiedenen Protagonisten erzählt, so dass nicht immer nur August im Fokus steht sondern auch sein ganzes Umfeld. Es geht nicht nur, darum mit welchen Schwierigkeiten August zu kämpfen hat und das sind mehr als genug. Es geht auch um seine Familie und Freunde, die ebenfalls ganz individuell mit den Anforderungen an August Seite umgehen. Für mich sehr beeindruckend und berührend.

Die ganze Story rund um den ersten Schulbesuch, durch das ganze Jahr bis zur Theateraufführung und dem Schulausflug ist mehr als gelungen. Es gibt keine Längen, man klebt an den Seiten und die Zeit fliegt dahin.

Ein tragisch-komisches Buch, welches mir im Gedächtnis und Herzen bleiben wird. Besonders bemerkenswert war für mich Augusts Beschreibung seiner Situation, wenn er auf die Straße geht und die Leute ihn anstarren. Er vergleicht es mit Nieselregen, der nicht so sehr stört, aber eben da ist. Das ist – warum auch immer – bei mir hängen geblieben…

Bewertung: 5 von 5 Punkten