Rezensionen 2019

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[Rezension] Der Ruf der Wildnis (Jack London)

Veröffentlicht 2. Januar 2020 von erlesenebuecher

Knüppel, Leithund & Geisterwolf

Appetithäppchen: Jack Londons 1903 erschienener Abenteuerroman, der die Zeit des Goldrauschs beschreibt, gilt als eines seiner besten Werke. Es ist die Geschichte von Buck, einer Mischung aus Bernhardiner und Schlittenhund, der menschlicher Brutalität und Gewalt ausgesetzt ist und erst durch den Goldgräber Jack Thornton Güte und Freundlichkeit kennenlernt: ein eindrucksvolles Plädoyer für Menschlichkeit und Nächstenliebe und ein spannendes Abenteuer, das bis zur letzten Seite fesselt.

Verfasser: Jack London (eigentlich John Griffith Chaney) wurde am 12. Januar 1876 als uneheliches Kind in San Francisco geboren. Er wuchs in Armut auf und musste bereits früh zum Einkommen der Familie beitragen. Nach einer Zeit, in der er sich als Fabrikarbeiter, Robbenjäger und Landstreicher durchschlug, holte er das Abitur nach und begann 1896 ein Studium, das er jedoch schon nach einem Semester abbrach. Er ließ sich vom Goldrausch anstecken und schürfte in Alaska selbst nach dem Edelmetall. Zurück in Kalifornien stellten sich mit seinen Tiergeschichten und Erzählungen über das harte Leben einfacher Menschen der Arbeiterklasse erste literarische Erfolge ein. In kurzer Zeit wurde London sehr wohlhabend. Seine plötzliche Popularität überforderte ihn jedoch. Alkohol und ein extravaganter Lebensstil führten den Schriftsteller in den Ruin. Jack London starb am 22. November 1916 im Alter von nur 40 Jahren auf seiner Farm in Glen Ellen an Nierenversagen.

[Ravensburger Taschenbuchverlag (1970)/ dtv (2013)]

Meine Meinung: Vor Jahrzehnten habe ich das Buch mal gelesen, nun wurde es mal wieder Zeit (Meine Ausgabe ist noch von Ravensburger). Ich weiß noch, dass ich mich damals etwas schwer tat mit dem Buch. Dieses Mal war es anders, ich fand es ergreifend, spannend und voller Abenteuer.

Buck, ein großer Mischlingshund, wird von dem Leser durch sein Leben begleitet. Wohlbehütet wächst er auf und wird dann brutal aus seiner Umgebung gerissen und nach Norden nach Kanada und Alaska gebracht, um als Schlittenhund eingesetzt zu werden. Er macht sich prächtig, gerät aber immer wieder an neue Besitzer, manche besser, manche schlechter. Er lernt sich durchzusetzen und kommt letztendlich zu John Thornten. Mit diesem Mann verbindet ihn Liebe, Zuneigung und Vertrauen. Allerdings hört er immer wieder einen Ruf, der ihn in die Wildnis zieht…

Ein wahres Abenteuerbuch, welches einen nicht loslässt. Man taucht ab in eine rauhe, eisige, brutale Welt und bibbert, fiebert und kämpft mit Buck. Großartige Unterhaltung!

Vor allem freue ich mich nun auf die Neuverfilmung, die Anfang des Jahres mit Harrison Ford ins Kino kommt. Der Trailer verspricht großartige Bilder der Naturgewalten.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

[Rezension] Der letzte Wunsch (Andrzej Sapkowski)

Veröffentlicht 2. Januar 2020 von erlesenebuecher

Striege, Dyvvelsjÿt & Zeichen

Appetithäppchen: Geralt von Riva ist ein Hexer mit einem Spezialgebiet: Er verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Kampf gegen Ungeheuer aller Art – Drachen, Vampire, menschenfressende Bestien. Die Geschäfte gehen nicht schlecht, doch es gibt noch mehr, was ihn beschäftigt. Sein Herz gehört der schönen Zauberin Yennefer…

Verfasser: Andrzej Sapkowski ist Wirtschaftswissenschaftler, Literaturkritiker und Schriftsteller. Er lebt in Lódz. Sein Fantasy-Zyklus über den Hexer Geralt hat Millionenauflagen ud Fans weltweit. Höchst erfolgreich ist auch seine Mittelalter-Trilogie um den schlesischen Medicus Reinmar von Bielau: „Narrenturm“, „Gottesstreiter“ und „Lux perpetua“.

[dtv (2006)]

Meine Meinung: Die „The Witcher“-Reihe ist an mir völlig vorbei gegangen. Zwar habe ich irgendwann mal von Geralt von Riva im Zusammenhang mit den Spielen gehört, aber da ich kaum zocke, war es auch nicht mehr als kurz mal hören. Nun da GoT vorbei ist und ich Vikings nicht wirklich nochmal gucken wollte, wurde ich gleich hellhörig, als Netflix die neue Serie „The Witcher“ ankündigte. Genau mein Fall, denke ich mal. Aber ich sollte natürlich eigentlich die Bücher vorher lesen… nur habe ich ja bei GoT gesehen, was für eine zeitintensive Sache das ist… und mein SuB ist doch so groß!

Aber ich dachte, ich fange mal an und habe mit diesem Buch begonnen, da es wohl die Vorgeschichte für die Reihe in Form einiger Kurzgeschichten liefert. Ich bin kein Fan von Kurzgeschichten, aber hier war es sehr erfreulich, da es mehr Episoden aus Geralts Leben und einzelne Abenteuer bzw. Jobs sind, die er erledigt und die in eine Rahmenhandlung eingebettet sind.

Ich habe die Episoden stückchenweise gelesen und kam erst nicht so richtig rein, so dass ich schon dachte, ich gucke doch nur die Serie und lasse die Bücher weg. Aber leider (für meinen SuB) wurden die Geschichten immer besser und vor allem hat es mir Geralt richtig angetan. Der ist großartig! Genau die Mischung aus harter Kerl, geheimnisvoll, stark, humorvoll, skurril, besonders, gutaussehend und weicher Kern. Tja, leider muss ich wohl weiterlesen und die Serie noch aufschieben bzw. endlich mal rauskriegen, wie weit ich lesen muss, damit ich die erste Staffel gucken kann.

Bewertung: 4,5 von 5 Punkten

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[Rezension] Das Weihnachtsgeheimnis (Jostein Gaarder)

Veröffentlicht 1. Januar 2020 von erlesenebuecher

Himmlische Herrlichkeit, Glockenschaf & Fürchte dich nicht

Appetithäppchen: 24 Tage bis Weihnachten. 24 Fenster im Adventskalender. Jeden Tag steckt ein Zettel im Kalendertürchen. Und jeden Tag tun sich neue Rätsel auf, die sich erst am 24. Dezember lösen – eine spannende und geheimnisvolle Geschichte, in Etappen erzählt.

Verfasser: Jostein Gaarder, geboren 1952, war nach dem Studium der Philosophie, der Theologie und der Literaturwissenschaften zunächst als Philosophielehrer tätig. Mit seinem großen Werk „Sofies Welt“, ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, hat er neue Maßstäbe in der Jugendliteratur gesetzt. Zahlreiche sehr erfolgreiche Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene folgten. Jostein Gaarder lebt als freier Schriftsteller in Oslo.

[dtv (2015)]

Meine Meinung: In diesem literarischen Adventskalender geht es um einen magischen Adventskalender. Joachim findet in einer Buchhandlung einen alten selbstgemachten Adventskalender. Jeden Tag öffnet er ein Türchen und findet dort ein kleines Bild und einen Zettel vor. Auf den Zetteln entfaltet sich eine gar seltsame Geschichte. Ein Mädchen läuft in Norwegen einem Schaf hinterher und taucht ein in ein Abenteuer. Sie reist mit Engeln, Königen u.a. durch die Welt und durch die Zeit… Allerdingt verändert diese Geschichte auch Joachim und seine Eltern. Und nebenbei findet eine kleine Familie nach Jahrzehnten wieder zusammen.

Ich habe diesen Kalender geschenkt bekommen, auf den ersten Blick und nach den ersten Tagen dachte ich, dass es eine ganz nette Kindergeschichte ist, aber nicht mehr. Allerdings entfaltet und vertieft sich die ganze Geschichte immer mehr und nimmt einen gefangen, so dass ich mich schon wie Johannes auf jeden Tag gefreut habe. Nebenbei wird auch die ganze Geschichte des Christentums mit den wichtigsten Stationen kurz umrissen. Es bleibt aber auch eine Geschichte, die man Kindern vorlesen kann. Auf jeden Fall ein Kalender, den ich auch mal verschenken werde und meinen nach ein paar Jahren erneut lesen werde.

Bewertung: 4,5 von 5 Punkten

[Rezension] Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (Judith Kerr)

Veröffentlicht 1. Januar 2020 von erlesenebuecher

Flüchtling, Nähmaschine & Französisch

Appetithäppchen: Berlin, Anfang 1933: Die Nazis stehen kurz vor ihrem entscheidenden Wahlsieg, der Reichstag brennt, der Massenwahn kündigt sich an… In letzter Minute reist Anna mit ihrer Familie in die Schweiz. Doch ihr Vater, ein bekannter jüdischer Journalist, kann dort ebenso wenig Fuß fassen wie ein halbes Jahr später in Paris. Seit ihrer Flucht lebt die Familie in ungewohnt ärmlichen Verhältnissen, und vieles von dem, was zu ihrem Alltag gehörte, musste zu Hause in Berlin bleiben – auch Annas rosa Kaninchen. Endlich zeichnen sich für den Vater in London günstigere Arbeitsbedingungen ab, die Familie kann erst einmal aufatmen…

Verfasserin: Judith Kerr, Tochter des bekannten Theaterkritikers Alfred Kerr, wurde 1923 in Berlin geboren. Während des Dritten Reichs musste sie emigrieren und kam nach London, wo sie auch heute lebt. Judith Kerr hat neben Kinderbüchern zwei weitere Romane geschrieben, Forsetzungen des vorliegenden Bandes.

[Ravensburger Buchverlag (1987)]

Meine Meinung: Ich muss zugeben, dass ich das Buch in meiner Kindheit nie gelesen habe. Irgendwie ist es an mir vorbei gegangen, auch in der Schule haben wir andere Bücher gelesen. Jedenfalls wollte ich es schon lange nachholen und jetzt sollte es natürlich vor dem Kinofilm sein.

Die Jüdin Anna lebt in den 30er Jahren in Berlin mit ihrem größeren Bruder und ihren Eltern, wobei ihr Vater ein bekannter Schriftsteller und Journalist ist. Kurz vor den Wahlen, an denen Hitler an die Macht kommen wird, kann die Familie in die Schweiz fliehen. Das Leben als Flüchtling ist schwierig, aber auch etwas aufregend. Nach der Schweiz geht es nach Frankreich und dann nach England.

Die Geschichte bringt natürlich das Gefühl der verlorenen Heimat näher und die immer wieder neuen Herausforderungen sich neu anzupassen, die Sprache und Sitten zu lernen, um dann irgendwie zu merken, dass man nirgendwo so richtig zugehört. Eine Erfahrung bzw. ein Gefühl, welches für viele immer noch aktuell ist. Das bringt das Buch gut rüber und macht es Kindern verständlich. Aber ich habe vielleicht etwas mehr oder etwas anderes erwartet. So gibt es meines Erachtens eindringlichere Bücher aus der Zeit des Dritten Reiches, wie beispielsweise das Tagebuch der Anne Frank.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

[Rezension] Die Reste frieren wir ein (Renate Bergmann)

Veröffentlicht 22. Dezember 2019 von erlesenebuecher

Kartoffelsalat, Fuchsstola & Zitronenspeise

Appetithäppchen: „Weiße Weihnachten! Das hatten wir schon so lange nicht mehr. Lassen Se sich von alten Leuten nicht einreden, dass es früher immer weiße Weihnachten gab. Das ist Quatsch! Einmal blühten sogar die Kirschbäume. Andererseits: Ich kann mich noch an Winter erinnern, die waren so kalt, dass die Ziegen auf die Bäume geklettert sind und die Zweige abgefressen haben, weil sie nirgends mehr was fanden! Wie dem auch sei: Ich habe schon immer das Beste aus dem gemacht, was das Leben meinte mir vor die Füße werfen zu müssen!“ Renate Bergmann hat schon 82 Feste gefeiert, zu denen es mindestens genauso viele Geschichten gibt. Die schönsten erzählt sie nun hier. Denn eines ist klar: Zu Weihnachten gehören Gänsebraten, Dominosteine, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ – und ein Renate-Bergmann-Buch.

Verfasserin: Renate Bergmann, geb. Strelemann, wohnhaft in Berlin. Trümmerfrau, Reichsbahnerin, Haushaltsprofi und vierfach verwitwet: Seit Anfang 2013 erobert sie Twitter mit ihren absolut treffsicheren An- und Einsichten – und mit ihren Büchern die ganze analoge Welt. (Thorsten Rhode, Jahrgang 1974, hat in Brandenburg/ Havel Betriebswirtschaft studiert und als Controller gearbeitet. Seit Twitter-Account @RenateBergmann, der vom Leben einer Online-Omi erzählt, entwickelte sich zum Internet-Phänomen. „Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker“ unter dem Pseudonym Renate Bergmann war seine erste Buchveröffentlichung – und ein sensationeller Erfolg -, auf die zahlreiche weitere, nicht minder erfolgreiche Bände und ausverkaufte Tourneen folgten.

[Rowohlt Taschenbuch Verlag (2019)]

Meine Meinung: Das Buch war ein Geschenk. Ich hätte es mir wohl nie selbst gekauft, da mich der Klappentext null angesprochen hat. Gewollt lustige Bücher, in denen jemand so tut, als ob er über moderne Mediendinge aus der Sicht einer Oma schreibt. Lustig, ha ha… Nein!

Entsprechend skeptisch begann ich zu lesen und fand diesen Ausdruck „Wissen Se…“, der ständig auftaucht sofort schrecklich und dachte schon daran abzubrechen, aber das Buch ließ sich ja schnell weglesen. Jedenfalls merkte ich immer mehr, dass es doch gar nicht mal so schlecht ist. Das Buch machte mir immer mehr Spaß und Renate Bergmann schleicht sich einem einfach so ins Herz.

In diesem Teil berichtet sie von verschiedenen Weihnachtsfesten. Es beginnt 1946, dann 1965 und 1973, weiter mit 1986 und endet 2018. Es ist  also eine kleine, unterhaltsame Zeitreise mit amüsanten, authentischen (zumindest wirken die wirklich so) Erlebnissen der liebenswerten, patenten Frau Bergmann. Richtig gelacht habe ich, als sie berichtet, wie ihre Freundin mit ihrem Mann zu Weihnachten immer Kartoffelsalat herstellte. Großartige Charakterbeschreibung!

Ich habe mich schon erwischt zu schauen, welches Buch ich von ihr als nächstes lese. „Wissen Se“ fand ich aber bis zum Ende schrecklich.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

 

[Rezension] Santa’s Baby (Kira Gembri)

Veröffentlicht 15. Dezember 2019 von erlesenebuecher

Büchernest,  Weihnaxmann & Miss Scrooge

Appetithäppchen: Lara ist alleinerziehende Mutter, Angestellte in einer Buchhandlung und darüber hinaus vor allen Dingen eins: ein riesengroßer Weihnachtsmuffel. Ausgerechnet sie lernt im Supermarkt einen Weihnachtsmann kennen, der ihre Gefühle bald Achterbahn fahren lässt. Unter dem falschen Bart und der roten Mütze steckt nämlich Finn, Besitzer des absolut unverschämtestem Grinsen und ein Weihnachtsfan durch und durch. Lara hat aus ihrer letzten gescheiterten Beziehung gelernt, keinen Mann mehr in ihr Schlafzimmer oder gar in ihr Herz zu lassen – aber gilt das auch für einen Weihnachtsmann mit blaugrünen Augen… ?

Verfasserin: Kira Gembri wurde 1990 als zweitältestes Kind von insgesamt fünf Geschwistern in Wien geboren. Dort schloss sie das Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft mit dem Master ab und dort lebt sie auch weiterhin. In ihrer Freizeit fährt sie gerne Tandem, spielt Cello, hält ihren Kater von Dummheiten ab und taucht liebend gerne in Schmökern ab. Ihre größte Leidenschaft aber gilt dem Schreiben von humorvollen und romantischen Geschichten.

[CreateSpace Independent Publishing Platform (2013)]

Meine Meinung: Das war mal ein richtiges schönes Weihnachtsbuch! Ich hatte erst überlegt, ob ich ein bisschen was an der Bewertung abziehe, da es etwas seicht und wenig tiefgründig ist, aber bei meiner Ausgabe steht vorne „Kurzroman“ drauf und da kann man einfach nicht mehr erwarten.

Lara ist allein mit ihrer Tochter und hat eine harte Zeit hinter sich, als plötzlich der Weihnachtsmann in ihr Leben purzelt, in Form des attraktiven Finn, der plötzlich ihre Welt und die ihrer Tochter auf den Kopf stellt. Wunderbar!

Die Geschichte ist toll, fesselnd, weihnachtlich, spannend, zauberhaft mit super Protagonisten. Der ganze Plot ist in sich total stimmig. Die Autorin wollte nicht zu viel und hat alle Bedürfnisse befriedigt. Einfach schön! Zum ganz schnell Weglesen!

Es gab auch ein wenig Drama und die ganze Zeit dachte ich, oh nein, jetzt bitte nicht ins totale Chaos abrutschen und die Stimmung versauen. Aber Gembri hat es geschafft, alles im Rahmen zu halten. Insgesamt eine runde Geschichte zum Dahinschmelzen!

Bewertung: 5 von 5 Punkten

[Rezension] Der kleine König Dezember (Axel Hacke)

Veröffentlicht 15. Dezember 2019 von erlesenebuecher

Gummibärchen, Traumschachteln & Dachrinnenkönig Endenovember

Appetithäppchen: Die Kindheit liegt am Ende des Lebens. Ob das gut ist? Das muss der kleine König selbst sagen. Man kann ihn alles mögliche fragen. Kann mit ihm auf dem Balkon liegen und die Sterne anschauen und über Unsterblichkeit reden. Kann die Schachteln anschauen, in denen er seine Träume aufbewahrt. Oder man geht mit ihm durch die Stadt und sieht, was man noch nie gesehen hat. Das ist sehr schön.

Verfasser: Axel Hacke findet Geschichten in den kleinen Dingen. Ob Gebrauchsanweisungen, häusliche Betrachtungen oder Reisebegebenheiten – alles kann ihm Stoff liefern für Reportagen, Sprachkritiken und geschliffene Kolumnen. Begonnen hat der 1956 geborene Schriftsteller im Jahre 1981 als Sportredakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“. Sein erstes Buch „Nächte mit Bosch“ erschien 1991, und wir erfuhren endlich, worüber Hacke nächtens mit seinem Kühlschrank redet. Legendär ist „Der weiße Neger Wumbaba“, mit dessen „Vermächtnis“ die Trilogie über ver-hörte Liedtexte und Gedichtzeilen inzwischen abgeschlossen ist. Hacke wurde mit dem „Joseph-Roth-Preis für internationale Publizistik“, dem „Theodor-Wolff- Preis“ sowie zwei Mal mit dem „Egon-Erwin-Kisch-Preis“ geehrt.

[Verlag Antje Kunstmann (1993)]

Meine Meinung: Plötzlich tauchte der kleine König Dezember auf und isst Gummibärchen. Aber er macht auch noch ganz viele andere Dinge bzw. erzählt sie vor allem. Er eröffnet dem Erzähler und dem Leser eine andere Sicht auf die Dinge und das Leben. Das ist schön, das ist nett.

Auf dem Weg zur Arbeit lohnt es sich die Augen aufzumachen, die Umwelt bewusst wahrzunehmen. Dinge, die seit der Kindheit verschüttgegangen sind, wieder bewusst wahrzunehmen… Das sind Weisheiten, die wichtig sind, die man eigentlich kennt, bei denen es aber gut ist, sie immer mal wieder zu hören.

Das macht dieses kleine, nett geschriebene und lustig illustrierte Büchlein. Jeder sollte einen kleinen König haben. Eine nette Zwischenlektüre, aber irgendwie auch nicht mehr.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

[Rezension] Die Glücksbäckerei 7 – Das magische Fest (Kathryn Littlewood)

Veröffentlicht 15. Dezember 2019 von erlesenebuecher

Eisschwan, Steppende Stutenkerle & Bonbonherz

Appetithäppchen: Winter in Calamity Falls. Familie Glyck hat es in ihrer Backstube kuschelig warm, als es draußen anfängt zu schneien – und nicht wieder aufhört. Die Zauberbäcker werden zu Hilfe gerufen, um ein schon fast ganz eingeschneites Städtchen mit magischen Törtchen zu retten. Aber als sie ankommen… hat ein anderes Mädchen das schon getan! Rose hat plötzlich eine Rivalin. Doch nur gemeinsam können die beiden die Welt vom Winterchaos befreien!

Verfasserin: Kathryn Littlewood ist Schriftstellerin, Schauspielerin und Comedian, lebt in New York, arbeitet oft in Los Angeles – und hat eine ebenso große Schwäche für pain au chocolat wie für Kinderbücher. Sie ist eine leidenschaftliche Köchin, aber eine fürchterliche Bäckerin und gibt zu, dass ihr noch nie ein Kuchen geglückt ist. Essen tut sie ihn dennoch für ihr Leben gern!

[S. Fischer Verlag (2018)]

Meine Meinung: Ein neues Abenteuer wartet auf Rosmarin Glyck, der kleinen Meisterbäckerin. Dieses Mal droht das Wetter verrückt zu spielen und eine Schneekatastrophe breitet sich aus. Zusätzlich kommt ihr noch ein anderes Mädchen, auch eine Meisterbäckerin, in die Quere. Aber die Glycks wären nicht die Glycks, wenn sie nicht mal wieder alle zusammen das Blatt wenden könnten. An sich eine wirklich nette Botschaft: Ohne deine Familie bist du nichts.

Aber hier ist das Vorgehen mit dem Vorschlaghammer teilweise etwas übertrieben. Natürlich: es ist ein Kinder/Jugendbuch und da muss der lustige Bruder besonders lustig sein und der coole Bruder besonders cool. Aber naja…

Im Ganzen ist die Story in diesem Band schlüssliger als im letzten. Aber auch hier taucht plötzlich etwas auf, von dem man vorher nie was wusste. Ist ja klar, die Teile müssen immer weiter geschrieben werden, bringt ja Geld. Dieses Mal treibt der Komplott der Konditoren plötzlich sein Unwesen. Leider führt das Ganze die Familie Glyck wieder weg von Calamity Falls und es wird zwar gebacken, auch wirklich aufregende Sachen, und einige Zutaten sind wieder wirklich zauberhaft, aber in meinen Augen immer noch zu wenig.

Meiner Meinung nach müsste Littlewood mal wieder zum Zauber der ersten Bände zurück finden, in denen die Bäckerei in Calamity Falls Zentrum der Handlung war und bei denen es vor allem ums Backen und wieder ums Backen ging. Jetzt tauchen nur ständig neue sprechende Tiere oder hier sogar ein sprechender Schneemann auf, wobei der wirklich nett ist.

Trotzdem finde ich die Idee immer noch tragend und Rose ist einfach ein Sympathiebolzen.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

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[Rezension] Steven Tyler – Does the noise in my head bother you? (Steven Tyler/ David Dalton)

Veröffentlicht 14. Dezember 2019 von erlesenebuecher

Zwillinge, Pashmina & Dream on

Appetithäppchen: „Die Musik war unsere Zündschnur und Drogen waren die Streichhölzer – und wir die Silvesterrakete, von der sieben glitzernde Sterne ausgingen, jeder eins unserer sieben Alben. Wir brachten es fertig, die kosmischen Mächte zu leben und zu überleben. Drogen waren mein schwarzes Loch… Ich wurde von ihnen angezogen und fürchtete mich nicht davor, auf die andere Seite zu gelangen.“ (Steven Tyler)

Verfasser: Steven Tyler, als Steven Victor Tallarico am 26. März 1948 in Yonkers, New York, geboren, ist Songwriter, Komponist und markante Stimme der legendären Rockband Aerosmith. Steven Tyler ist einer der dynamischsten Frontmänner überhaupt, das Musikmagazin „Rolling Stone“ zählt ihn gar zu den größten Rocksängern aller Zeiten. Nach ihrer Gründung, New Hampshire, beschließen Aerosmith, als Band nach Boston zu ziehen. Dort gründen sie eine Arbeits- und Wohngemeinschaft und werden zu der Band, die bis heute besteht: Tyler als Frontmann, Joe Perry an der Gitarre, Tom Hamilton am Bass, Tay Tabano, später abgelöst von Brad Whitford, an der Gitarre und Joey Kramer an den Drums. 100 Millionen Platten verkauften Aerosmith und gewannen zahlreiche Preise. Ihr Nummer-1-Hit „Don’t want to miss a thing“ aus dem Film „Armageddon“ wurde für den Academy Award nominiert. 2011 wurden Aerosmith in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen.

[Edel (2012)]

Meine Meinung: Steven Tyler fragt: Does the noise in my head bother you? Da kann ich drauf antworten: Ja, teilweise schon. Ungefragt ist und bleibt Aerosmith eine der größten Rockgruppen aller Zeiten, die großartige Songs rausgebracht haben und ohne Steven Tyler wäre Aerosmith nicht Aerosmith. Er ist unglaublich agil, kreativ und musikalisch. Aber eben auch ein Künstler und eine Diva. Das muss er wohl als Frontmann sein, anders will es das Business und auch das Publikum nicht. Allerdings habe ich selten eine Autobiographie gelesen, in der so viel gejammert wird.

Natürlich ist es nicht leicht, den Erwartungen gerecht zu werden und Tyler beschreibt eindrucksvoll und nachvollziehbar, dass es als Sänger etwas anderes ist, weil das Instrument zum Körper gehört und nicht nach der Show einfach vom Techniker für den nächsten Auftritt fit gemacht werden kann, so dass es an sich klar ist, dass er nicht jeden Abend auf die Bühne kann, was anscheinend innerhalb der Band zu Unstimmigkeiten führte.

Und dann kommen die ganzen Drogen dazu. Tja, man kann jetzt sagen, es gehört wohl dazu. Es gibt kaum große, kreative Künstler, die dem nicht verfallen sind. Sie sind eben keine vernünftigen Kopfmenschen, sondern impulsiv, schwankend, emotional und in ihrem Inneren unsicher bzw. nicht gefestigt, was die Sehnsucht, Gefühle und Sicht der Dinge ausmacht, die in ihrer Musik oder Kunst verarbeitet werden. Das kann ich alles nachvollziehen. Aber es ist erstaunlich, was die Menge und Vielfalt der Drogen anbelangt. Was so ein Körper und Geist anscheinend alles verträgt? Erschreckend fand ich hier, die in meinen Augen etwas unreflektierte Widergabe der jahrelangen Drogentrips, die er und seine Exfrau erlebten, während sie ein kleines Baby/Kleinkind bei sich hatten.

Aber am meisten ist mir sein Gemecker über Frauen in den Ohren geblieben. Er betont wiederholt, wie sehr er sie liebt. Allerdings wird dann geäußert, dass er es nicht verstehe, wie seine Exfrau ihm die Affäre nicht verzeihen kann, wo er ihr doch ansonsten jeden Wunsch, wie beispielsweise ein Haus, erfülle. Warum hat er sich dann überhaupt immer wieder so gebunden, dann soll er doch offene Beziehungen führen? Aber Tyler will alles, Heim mit Frau und Kindern und Rockstarleben mit allen Blowjobs etc. Außerdem versucht er immer wieder darzustellen, dass er ein Opfer der Umstände sei.

Insgesamt regte mich einiges auf, aber das soll es anscheinend auch. Tyler will anecken, er will nicht in die Norm passen und er will Leute aus der Reserve locken. Nichtsdestotrotz führte er ein aufregendes Leben und gerade die Bandhistorie ist spannend und aufregend. Die Ergebnisse in Form ihrer Alben kann sich sehen und hören lassen. Großartige Künstler!

Bewertung: 4 von 5 Punkten

[Rezension] Bartimäus 4 – Der Ring des Salomo (Jonathan Stroud)

Veröffentlicht 22. November 2019 von erlesenebuecher

Nilpferd, Silberdolch & Tintenfischring

Appetithäppchen: Bartimäus, der Dschinn aller Dschinns, darf seine ruhmreiche Vergangenheit präsentieren – die sogar seine späteren Heldentaten mit Nathanael beinahe in den Schatten stellt. Schließlich hat Bartimäus seinerzeit nur den Besten der Besten und Hochwohlgeborenen gedient: Mächtige Magier und wunderschöne Königinnen waren seine Gebieter – und mit dem berühmten König Salomo stand er sogar auf Du und Du…

Verfasser: Jonathan Stroud wurde 1970 im englischen Bedford geboren. Er schreibt Geschichten, seit er sieben Jahre alt ist. Zunächst arbeitete er als Lektor. Nachdem er seine ersten eigenen Kinderbücher veröffentlicht hatte, beschloss er, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Er wohnt mit seiner Frau Gina und den gemeinsamen Kindern Isabelle und Arthur in der Nähe von London.

[cbj (2010)]

Meine Meinung: Bartimäus ist schon ein Phänomen. Er lässt sich nicht einschüchtern, gibt nicht auf, ist nie um eine schlagfertige Antwort verlegen und vor allem ist er anders als die anderen Dschinns.

Die Geschichte in diesem Buch spielt weit vor den Bänden von Bartimäus und Nathanael. König Salomo baut den Tempel in Jerusalem und ist der mächtigste Mann der Welt, da er einen mächtigen Zauberring hat, mit dem er eine Pforte zum anderen Ort öffnen kann und mächtige Geister hervorrufen kann. Allerdings zerrt der Ring an seiner Lebenskraft. Umgeben ist Salomo von den besten Zauberern, die aber auf ihre eigenen Vorteile bedacht sind und Intrigen hinter seinem Rücken spinnen.

Und hier taucht nun Asmira, eine Wächterin aus Saba auf, die glaubt, dass Salomo Saba angreifen will. Deshalb ist ihr Auftrag, Salomo zu töten. Helfen soll ihr der Dschinn Bartimäus. An sich ein Ding der Unmöglichkeit, aber genau das spornt Bartimäus natürlich an.

Der Plot ist gut, spannend und interessant, auch die Charaktere, vor allem Bartimäus und Asmira, sind mutig und lustig. Mein Kritikpunkt wäre, dass die Geschichte insgesamt zu geradlinig, eindimensional ist. Er kommen kaum überraschende Wendungen oder wirklich faszinierende Höhepunkte vor. Da es aber ein Jugendbuch ist, kann man dieses verzeihen.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

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