Rezensionen 2020

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[Rezension] Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)

Veröffentlicht 28. Juni 2020 von erlesenebuecher

Sympathielampe, Laute & Chandrian

Appetithäppchen: „Vielleicht habt ihr von mir gehört“… von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot – „sie haben einfach die falschen Lieder gesungen“. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. In der Hafenstadt Tarbean schlägt er sich als Betteljunge durch, bis er als jüngster Schüler auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der gefährlichen Dämonen aufzudecken. – Im Mittelpunkt der Königsmörder-Chronik steht ein großer Magier und leidenschaftlicher Wissenschaftler, ein Musiker, dessen Lieder die Sänger zum Weinen bringen… und ein schüchterner Liebhaber.

Verfasser: Patrick Rothfuss, geboren 1973 in Wisconsin, unterrichtet als Englisch-Dozent am Stevens Point College in Wisconsin. Mit „Der Name des Windes“ legte Patrick Rothfuss den ersten Teil der Königsmörder-Chronik vor, der in den USA bei Kritikern und Fantasylesern begeistert aufgenommen wurde und schon bald einer der vorderen Plätze in der New York Times-Bestsellerliste belegte.

[Klett-Cotta (2008)]

Meine Meinung: Mit den Buchreihen ist es so eine Sache. Ich lese viel zu viele Buchreihen, dadurch kann ich meinen SuB nicht abbauen und einige Reihen ziehen sich ziemlich hin, der Autor bzw. Verlag will Geld machen und ich möchte das Ende nicht verpassen. Das nervt. Allerdings kommt man um Buchreihen nicht drumherum, da viele wirklich sehr gut sind und man sich freut die bekannten, liebgewonnen Protagonisten wiederzusehen(-lesen).

Hier haben wir also wieder eine Fantasy-Buchreihe und einiges ist auch bekannt, so ganz kann man das Rad ja nicht neu erfinden. Aber man kann es wirklich rund machen und faszinierende Verzierungen reinschnitzen. Das ist Herrn Rothfuss auf jeden Fall gelungen.

Kvothe ist ein großer, berüchtigter Held, der in diesem Teil anfängt von seinem Leben zu berichten. Wie er aufgewachsen ist, bei den fahrenden Schaustellern, dann unterrichtet wurde von seinem Lehrer, einem Arkanisten, wie er einen Schicksalsschlag erlebte und obdachlos als Straßenkind lebte. Dann aber sein Ziel erreichte und an der Universität studierte – und das ziemlich erfolgreich. Während dieser Zeit begleitete ihn die Musik und vor allem sein Drang alles über die Chandrian herauszufinden.

Er erlebte Abenteuer, ihm gelangen kleine und große Wunder, er lernte Freunde kennen, auch ein wenig die Liebe und häufte immer mehr Wissen an. Teilweise war er mir etwas zu perfekt. Kvothe gelingt alles, weiß alles und schafft irgendwie alles. Jedoch war dieses Gefühl des Genervtsein nur ganz leicht da. Das Schicksal malträtierte ihn ab und an auch zu arg. Oft erwischte ich mich, dass ich ihm sehnlichst ein ruhiges, beschauliches Leben wünschte, allerdings wäre das natürlich zu Gunsten eines spannenden Plots geschehen. Man merkt, ich fieberte beim Lesen ordentlich mit.

Also ein Buch bei dem sich der Beginn einer neuen Buchreihe gelohnt hat und bei dem ich mich sehr auf den zweiten Teil freue.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

[Rezension] Miss Emergency 1 – Hilfe, ich bin Arzt (Antonia Rothe-Liermann)

Veröffentlicht 21. Juni 2020 von erlesenebuecher

Glückskuli, Laborergebnisse & Chefvisite

Appetithäppchen: Welt – ich komme! Lena kann es kaum noch abwarten, ihre Laufbahn als weltbeste Ärztin und aufopfernde Retterin aller Patienten zu starten. Und dann auch noch in Berlin! Voll motiviert, aber mit zittrigen Knien stürzt sie sich ins Praxisjahr. Und landet kopfüber im Krankenhausfahrstuhl – zu Füßen des attraktiven Oberarztes Dr. Thalheim…

Verfasserin: Antonia Rothe-Liermann, geboren 1978 in Halle/ Saale, studierte Film- und Fernsehdramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Potsdam-Babelsberg. Danach arbeitete sie als Storyliner und Autorin für verschiedene Produktionen der Grundy UFA und teamworx. Seit 2007 schreibt sie als freie Autorin für Spielfilme und Serienproduktionen. Sie verfasste u.a. als Co-Autorin Drehbücher für die RTL-Erfolgsserie „Doctor’s Diary“.

[Thienemann (2012)]

Meine Meinung: Ich liebe Doctor’s Diary! Das ist eine der wenigen deutschen Serien, die ich mir immer wieder anschauen kann. Antonia Rothe-Liermann hat als Co-Autorin bei der Serie mitgeschrieben. Dieses erkennt man an diesem Buch. Es ist eine literarische Arzt-Serie.

Die Protagonistin schließt man mit ihren beiden Freundinnen bzw. Kolleginnen gleich ins Herz. Alle drei fangen frisch ihr Praktisches Jahr an und geraten in einige turbulente Situationen. Es sind nicht nur die verschiedenen Patienten, sondern auch das Liebesleben der drei Damen, welches die Handlung aufwirbelt. Da ist z.B. der Oberarzt Dr. Thalheim, aber auch der smarte Patient Manuel…

Das Krankenhaus als Ort der Handlung ist ähnlich wie ein Internat, so dass die Handlung gebündelt fast nur in diesem Mikrokosmos stattfindet, hat aber auch den Vorteil, dass eben ab und an neue Patienten bzw. Geschichten auftauchen. Die Autorin hat mit diesem Dreier-Mädchen-Team eine tolle Combo geschaffen und es macht Lust auf mehr. Mir war der Anfang jetzt leider an einigen Stellen ein klein wenig zu zäh, aber anscheinend soll z.B. die Geschichte mit Lena und Dr. Thalheim über die nächsten vier Bücher tragen. Da hätte ich mir ein bisschen mehr gewünscht – vielleicht ja im nächsten Band. Ich bin gespannt und werde auf jeden Fall weiterlesen. Dafür ist der Plot dann doch viel zu unterhaltsam, kurzweilig, lustig und herzerwärmend.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

[Rezension] Harry Potter und der Feuerkelch [Illustrierte Schmuckausgabe] (J. K. Rowling/ Jim Kay)

Veröffentlicht 21. Juni 2020 von erlesenebuecher

Weihnachtsball, Magisches Auge & Denkarium

Appetithäppchen: Das Dunkle Mal prangt am Himmel über der Quidditch-Weltmeisterschaft, und von diesem Moment an schwebt Harry Potter in Gefahr. Er wird vom Feuerkelch ausgewählt, für Hogwarts am legendären Trimagischen Turnier teilzunehmen. Harry muss Prüfungen bestehen, die selbst für begabtesten Zauberer eine Herausforderung darstellen würden – in der ersten muss er einem furchterregenden Ungarischen Hornschwanz gegenübertreten. Doch für Harry ist der Wettkampf nur der Auftakt zu einer sehr viel düstereren Kraftprobe. Im Nebel von Little Hangleton, wo sich die Gräber von Tom Riddles Vorfahren befinden, braut sich etwas noch Unheilvolleres zusammen… Jim Kay, Gewinner der Kate Greenaway Medal und des Deutschen Jugendliteraturpreises, vollbringt wieder einmal unvergleichliche Zauberstücke. Diese spektakuläre illustrierte Ausgabe des vierten Bandes von J. K. Rowlings gefeierter Buchserie erweckt atemberaubende Szenen und beliebte Figuren wie Mad-Eye Moody, Viktor Krum und Rita Kimmkorn zum Leben.

Verfasser: J. K. Rowlings Harry-Potter-Romane haben weltweit Rekorde gebrochen und sind vielfach ausgezeichnet worden. Sie wurden über 500 Millionen Mal verkauft, in 80 Sprachen übersetzt und haben auch im Kino Fans auf der ganzen Welt begeistert. Es gibt drei Begleitbände zur Serie, die J. K. Rowling für wohltätige Zwecke geschrieben hat: „Quidditch im Wandel der Zeiten“, „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ und „Die Märchen von Beedle dem Barden“. J. K. Rowling hat außerdem das Drehbuch zu „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ verfasst, dem Auftakt einer fünfteiligen Filmreihe. Gemeinsam mit Drehbuchautor Jack Thorne und Regisseur John Tiffany entwickelte sie das Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind. Teil eins und zwei“, das seit 2016 im Londoner West End und seit 2018 am Broadway aufgeführt wird. Im Frühjahr 2020 wird das Stück in Hamburg seine Deutschlandpremiere feiern. 2012 gründete sie Pottermore, ein Online-Portal, auf dem Fans Neuigkeiten, Artikel und Beiträge von J. K. Rowling finden können. Sie erhielt zalhreiche Auszeichnungen, u.a. den britischen Ritterorden Order of the British Empire und den Hans Christian Andersen Preis. Jim Kay erhielt für seine Bilder zu „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness 2012 die Kate Greenaway Medal und den Deutschen Jugendliteraturpreis. Er studierte Illustration an der University of Westminster und arbeitete nach seinem Abschluss für die Archive der Tate-Britain-Gallerie in London und für die Royal Botanic Gardens in Kew. Auf einer Austellung seiner Werke wurde er von einem Verleger angesprochen und damit begann seine Karriere als freiberuflicher Illustrator. Die Schmuckausgabe von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ fand international großen Anklang und Jim Kay wurde vom Bloomsbury Verlag beauftragt, alle sieben Bände von J. K. Rowlings weltbekannter Serie zu illustrieren. Heute lebt Jim Kay mit seiner Frau in Northamptonshire.

[Carlsen (2019)]

Meine Meinung: Meinem mittlerweile neunjährigen Sohn habe ich dieses Buch vorgelesen. Allerdings ist es wohl leider das letzte, da er den fünften Band nun selbst lesen möchte. Tja, da hat man schon Kinder und darf nicht mal mehr Harry Potter vorlesen (Frechheit :)), vielleicht klappt es beim zweiten Kind komplett. Jedenfalls ist dieser einer meine Lieblingsbände.

Mein Sohn war natürlich völlig begeistert von der Quidditch-Weltmeisterschaft und der Tatsache, dass es noch andere Zaubererschulen gibt. Ebenfalls fand er er das Trimagische Turnier mit den vielfältigen Aufgaben klasse. Die unverzeihlichen Flüche und Mad-Eye bewirkten gehörige Spannung und einen kleinen Gruselfaktor.

Etwas schwieriger war es die ganzen Zusammenhänge rund um das Ministerium, Barty Crouch, den damaligen Prozessen der angeklagten Todessern und Lord Voldemorts Vergangenheit verständlich zu machen.

Von den Bildern war ich dieses Mal echt enttäuscht, deshalb musste ich einen Punkt abziehen. Das hat nichts mit der Geschichte zu tun. Es waren zum einen viel zu wenig Bilder. Seitenlang sah man nur weiße Seiten. Und zum anderen waren es wenig wirklich ausführliche, großflächige Bilder. Oft nur kleine Symbole oder einzelne Gegenstände. Das fand ich nicht schön. Und ich weiß auch nicht, wie es besser werden soll. Der 5. Band ist noch umfangreicher und wahrscheinlich gibt es dann noch weniger Bilder. Da stellt sich die Frage, ob man sich die teure Schmuckausgabe überhaupt noch kaufen soll.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

[Rezension] Auf der falschen Spur (Leena Lehtolainen)

Veröffentlicht 7. Juni 2020 von erlesenebuecher

Pilzpastete, Doping & Snorkmädchen

Appetithäppchen: Seitdem die Sportjournalistin Jutta Särkikoski einen Dopingskandal aufgedeckt hat, ist ihr Leben aus den Fugen geraten: Zuerst die anonymen Morddrohungen, dann wird sie mit ihrem Wagen von der Straße abgedrängt. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse: Bei einer Veranstaltung des Behinderten-Sportbunds wird ein Mann vergiftet. Maria Kallio ist alarmiert: Galt der Anschlag in Wirklichkeit Jutta Särkikoski?

Verfasserin: Leena Lehtolainen, 1964 geboren, lebt und arbeitet als Kritikerin und Autorin in Degerby, westlich von Helsinki. Sie ist eine der erfolgreichsten und renommiertesten Schriftstellerinnen Finnlands. 1994 erschien der erste Roman mit der toughen Anwältin und Kommissarin Maria Kallio, deren Abenteuer im Heimatland auch als Fernsehfilme sehr erfolgreich sind.

[Rowohlt Verlag (2009)]

Meine Meinung: Es war wirklich eine Freude nach Espoo, nach Finnland, zu Maria zurückzukehren. Ich mag die Protagonistin, ihr Umfeld, die Landschaft, die Gegend und Lehtolainens Erzählweise. Und was dazukam, war wieder mal ein wirklich spannender Fall, so dass ich bis fast bis zum Schluss ahnungslos war.

Es geht dieses Mal um einen Dopingfall in der Leichtathletik, um eine Sportjournalistin und den Behindertensport. Lehtolainen erschafft immer wieder interessante Fälle und vergisst auch Kallios Privatleben und ihren beruflichen Werdegang nicht, so dass es für den Leser immer wieder so ist, als ob er Freunde trifft.

Trotzdem gibt es Abzug bei diesem Buch. Zum einen habe ich mich über Marias Rückkehr zur Polizei geärgert, nicht dass sie zurückkehrt, sondern wie. Das wurde innerhalb einer Seite mal eben so dem Leser vor die Füße geworfen. Das hat mich sehr geärgert. Und zum anderen das Ende, in dem ordentlich Fahrt aufgenommen wird, was an sich gut ist, aber Maria handelt in meinen Augen schon wieder kopflos und begibt sich zu schnell und etwas sorglos in Gefahr. Das kann ich nicht nachvollziehen, vor allem wenn es schon in den letzten Büchern immer wieder Thema war und sie das eigentlich nicht mehr machen wollte und sollte.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

[Rezension] Weltgeschichte to go (Alexander von Schönburg)

Veröffentlicht 7. Juni 2020 von erlesenebuecher

Zenobia, Globalisierung & Top Ten

Appetithäppchen: Was hat aus Steinzeitmenschen mit Faustkeilen Großstadtmenschen mit Selfiesticks gemacht? Welches sind die „Big-Bang-Momente“ der Weltgeschichte, die alles verändert haben? Und warum erkennt man die erst im Nachhinein, wenn es zu spät ist? Alexander von Schönburg führt kurzweilig und fundiert durch die Geschichte, er erzählt von den größten Helden und schlimmsten Übeltätern, erklärt die wichtigsten Ideen und die spektakulärsten Erfindungen der Menschheit. Ein ebenso unterhaltsamer wie tiefgründiger Blick auf die Weltgeschichte – von Adam bis Apple.

Verfasser: Alexander von Schönburg, Jahrgang 1969, war u.a. Redakteur der FAZ und Chefredakteur von „Park Avenue“, seit 2009 ist er Mitglied der „Bild“-Chefredaktion. Seiner Bücher „Die Kunst der überflüssigen Dinge“ (2006), „Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“ (2008) und „Smalltalk“ (2015) waren Bestseller. Alexander von Schönburg lebt mit seiner Familie in Berlin.

[Rowohlt Berlin Verlag (2016)]

Meine Meinung: War Einstein schlecht in Mathe? War Napoleon sehr klein? Stand die Sklavenfrage im Mittelpunkt des Amerikanischen Bürgerkriegs? All diesen Fragen und noch mehr versucht Herr von Schönburg auf den Grund zu gehen. Natürlich kann man von einem Buch mit 278 Seiten nicht viel erwarten, wenn es um die Weltgeschichte gehen soll. Aber immerhin schafft es zum einen zu unterhalten und zum anderen Anregungen zu geben.

Kurzweilig und unterhaltsam ist es, da am Ende jedes Kapitels immer eine Top Ten-Liste aufgeführt ist: die 10 prägendsten Ideen der Menschheit, die 10 berühmtesten Reden der Weltgeschichte usw. So was mag ich und man erwischt sich immer wieder, wie man diese Liste selbst überprüft und darüber nachdenkt.

Anregungen gibt das Buch, da zum Beispiel einige Irrtümer aufgedeckt werden, die sich in das Allgemeinwissen eingeschlichen haben. Auch die Überlegungen zum Bösen in der Geschichte finde ich mehr als gelungen.

Allerdings ist es, wie ich es z.B. auch bei den Büchern der C.H. Beck Wissen Reihe empfinde, ein zweischneidiges Schwert. Zum einen bekommt man einen kurzen, leicht fundierten Überblick, aber andereseits befriedigt es nicht, da vieles nur angerissen und nichts wirklich tiefgehend dargestellt wird.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

 

[Rezension] Janna (Janusz Leski/ Dieter Saldecki)

Veröffentlicht 31. Mai 2020 von erlesenebuecher

Alaska, Starenhof & Wunschring

Appetithäppchen: Janna will mit Julian nichts zu tun haben. Und das nicht nur, weil Julian der Anführer der Wölfe ist, die Janna und ihren Adler das Leben schwermachen, wo es nur geht. Nein, es steckt viel mehr dahinter. Da war jenes schreckliche Unglück, das nicht nur Jannas, sondern auch Julians Vater das Leben gekostet hat. Aber wie war es dazu gekommen? Und was hatte Julians Onkel, der leidenschaftliche Flugzeugbauer Jakob Bromski damit zu tun? Das alles ist lange her, und Janna weiß nicht, was damals wirklich geschah. Niemand will mit ihr darüber sprechen – auch ihre Mutter und ihr Großvater nicht. Da kehrt Jakob Bromski unerwartet ins Dorf zurück: Für Janna und Julian, die Wölfe und die Adler beginnt eine aufregende Zeit der Abenteuer, bei denen ein geheimnisvoller Ring, zwei Pferde und ein Flugzeug namens Sebastian die Hauptrollen spielen. Aber Jannas Mutter und Julians Onkel wollen die alte Familienfeindschaft endlich vergessen – sehr zum Ärger des alten Großvaters, der von den Bromskis nun einmal nichts wissen will. Doch als eine fahrende Theatertruppe im Dorf Station macht, kommen sich auch Janna und Julian, ohne es zu wollen, ganz plötzlich sehr nahe…

Verfasser: Janusz Łęski (*12.02.1930) ist ein polnischer Filmregisseur und Drehbuchautor, der berühmt wurde, weil er beliebte Filme und Serien für Kinder und Jugendliche schuf.

[Loewe (1989)]

Meine Meinung: Damals war alles besser… Eigentlich kann ich diesen Satz nicht mehr hören. Aber… jetzt kommt das typische „Aber“… aber damals gab es einfach schönere Kinderserien im Fernsehen. Sei es die klassischen Weihnachtsserien, wie „Nonni und Manni“ oder „Anna„, als auch z.B. die deutsch-polnische Serie „Janna“. Ich fand sie damals großartig und habe mir anschließend, wie von so vielen Serien, das Buch gekauft und es gleich gelesen. Nun ja, das ist nun etwa 30 Jahre her. Also wurde es Zeit für ein reread. Ich konnte mich nicht mehr an so viel erinnern, außer dass eben die zwei Kinderbanden von Janna und Julian angeführt wurden und abenteuerliche Dinge erlebten. Janna und Julian fand ich damals ganz toll.

Nun habe ich das Buch erneut gelesen und auch die Serien noch einmal angeschaut. Welch schöne Erinnerungen da wach wurden! Die beiden Kinderbanden „Wölfe“ und „Adler“ erleben ein Abenteuer nach dem anderen, sei es das neue Pferd, eine Theateraufführung oder Klettermutproben. Natürlich wird mir nun als Erwachsene bewusst, wie hart die Kinder arbeiten und mithelfen mussten, auch das ganze Drama um Walter und seinen Vater habe ich damals nicht so sehr wahrgenommen (das wird in der Serie kaum thematisiert).

Eines muss ich aber sagen, dieses Buch ist um Längen besser als die letzten Bücher zu Serien, die ich gelesen habe. Dieses Mal ist es ein wirkliches Jugendbuch, welches man auch ohne die Serie lesen könnte. Die Geschichte ist erfrischend, aber auch der Schreibstil ist völlig in Ordnung und weiß zu unterhalten und Spannung zu erzeugen. Das konnte man bei den anderen Büchern nicht sagen. Bei der Serie kommen noch einige Episoden dazu, die im Buch nicht zu finden sind. Das finde ich aber ganz gut, da das Buch eine wirklich runde Sache ist.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

[Rezension] Gute Geister (Kathryn Stockett)

Veröffentlicht 26. Mai 2020 von erlesenebuecher

Trennlinien, Shinalator & Schokoladenkuchen

Appetithäppchen: Jackson, Mississippi, 1962: Die junge Skeeter ist frustriert. Nach dem Studium verbringt sie die Tage auf der elterlichen Baumwollfarm, als einzige ihrer Freundinnen ohne einen Ring am finger. Sehr zum Missfallen der Mutter. Doch der Mann, mit dem ihre Freundinnen sie verkuppeln wollen, ist ein Snob. Und dann ist auch noch ihr schwarzes Kindermädchen, bei dem sie stets Trost fand, spurlos verschwunden. Skeeter wünscht sich nur eins: Sie will weg aus dem engen Jackson und als Journalistin in New York leben. Und um diesem Ziel näher zu kommen, verbündet sie sich mit zwei schwarzen Dienstmädchen, die wie sie unzufrieden sind: Aibileen zieht die Kinder ihrer Arbeitgeber auf und bringt ihnen bei, sich selbst zu lieben – das Tafelsilber darf sie aber nicht anfassen. Und Minny  ist auf der Suche nach einer neuen Stelle. Sie ist bekannt für ihre Kochkünste, aber sie ist auch gefürchtet: Denn Minny trägt das Herz auf der Zunge. Drei außergewöhnliche Frauen mit all ihren Stärken und Schwächen. Drei Frauen, die – aller Gefahr zum Trotz – den Mut haben, gegen die Konventionen ihrer Zeit zu verstoßen und gemeinsam etwas zu wagen.

Verfasserin: Kathryn Stockett ist in Jackson, Mississippi, aufgewachsen, wo ihr Roman spielt. Nach einem Studium der Englischen Literatur zog sie nach New York. Dort arbeitete sie neun Jahrelang bei Zeitschriftenverlagen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Atlanta. „Gute Geister“ ist ihr erster Roman, der gleich zu einem phänomenalen Erfolg wurde. Seit über 100 Wochen steht er auf der New York Times Bestsellerliste, er wird in 40 Sprachen übersetzt und unter dem Titel „The Help“ fürs Kino verfilmt.

[btb (2010)]

Meine Meinung: Ich liebe Bücher, von denen man nicht loskommt, die einen den ganzen Tag beschäftigen und man sich manchmal fragt, was würde der Protagonist jetzt machen. Das sind Bücher, die einen gefangen nehmen und unter die Haut gehen. Genau so ein Buch ist „Gute Geister“. Ich fand es großartig!

Das Buch hat alles, was es zum Bestseller braucht: einen wirklich guten Plot, vielschichtige Protagonisten, eine wahre Hintergrundgeschichte und einen fesselnden Schreibstil. Kein Wunder, dass die Story so erfolgreich verfilmt wurde.

Wir befinden uns in Mississippi zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung und begleiten zwei farbige Dienstmädchen durch ihren Alltag, der teilweise herzzerreißend, absurd, aber auch schön ist. Gleichzeitig ist da Skeeter, das junge unverheiratete Mädchen, welches sich immer mehr von ihren Freundinnen entfernt und dabei so mutig, neugierig und offen ist. Diese Kombination von Frauen ist überraschend, aber passend und sie haben einen Plan. Sie wollen den Lesern die Welt der farbigen Dienstmädchen zeigen…

Die Zeit der Rassentrennung ist noch nicht so lange her und erschreckenderweise teilweise immer noch aktuell, wenn man sich die heutige USA anschaut. Davor darf man nicht die Augen verschließen und sollte sich immer wieder bewusst machen, nicht das Äußere entscheidet über den Wert eines Menschen.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

[Rezension] Artemis Fowl 3 – Der Geheimcode (Eoin Colfer)

Veröffentlicht 21. Mai 2020 von erlesenebuecher

C Cube, Eisenmann & Sushi

Appetithäppchen: Ein braver Junge werden? Keine Verbrechen mehr? Undenkbar, jedenfalls für unseren Meisterdieb Artemis Fowl. Noch einmal plant er einen großen Coup: logisch, trickreich und mit vollem Risiko. Aber einen Coup, der das Reich der Unterirdischen in höchste Gefahr bringt. Bis Artemis entdeckt, dass Teilen oft besser ist als Tricksen – und Freundschaft weitaus mehr wert als alles Gold der Welt.

Verfasser: Eoin Colfer ist Lehrer und lebt mit seiner Familie in Wexford, Irland. Er hat mehrere Jahre in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien unterrichtet. Mit „Artemis Fowl“ gelang ihm der internationale Durchbruch.

[List (2003)]

Meine Meinung: Irgendwie weiß ich immer noch nicht so ganz, in welches Genre ich Artemis Fowl stecken würde. Ist das nun Fantasy, Jugendbuch oder Kriminalroman? Wahrscheinlich passt alles. Allerdings könnte man mich genauso gut fragen, ob ich Artemis sympathisch finde. Auch das kann ich nicht wirklich beantworten. Jedoch fällt mir ein, dass ich dieses Hin- und Hergerissene schon beim letzten Buch verspürt habe. Es ist noch nicht besser geworden.

Alledings weiß ich eindeutig, dass die Bücher sehr unterhaltsam und kurzweilig sind. Es macht Spaß in diese Welt des Erdenvolkes und der Oberirdischen einzutauchen. Gerade die Kombination der Protagonisten ist unschlagbar. Holly, Artemis, Butler und vor allem Mulch sind ein super Team.

Dieses Mal scheint es, dass Artemis in Jon Spiro seinen Meister gefunden hat. Leider ist nicht nur er in Gefahr, sondern auch das gesamte Erdenvolk. Aber Artemis wäre nicht Artemis hätte er nicht einen Plan, aber auch Spiro ist nicht auf den Kopf gefallen… Dieses Mal hat mich der gesamt Plot in seiner Geschlossenheit, Phantasie und Spannung überzeugt.

Bewertung: 4,5 von 5 Punkten

Hier geht es zum 2. Teil

 

[Rezension] Die Glücksbäckerei 8 – Die magische Schule (Kathryn Littlewood)

Veröffentlicht 10. Mai 2020 von erlesenebuecher

Blätterteig-Schildkröte, Salzgolem & Gigantischer Dämmerungsbanyan

Appetithäppchen: Unglaublich – Rose ist in ein Zauberbäcker-Internat aufgenommen worden! Zusammen mit Jugendlichen aus aller Welt wetteifert sie um den begehrten Ausbildungsplatz bei einem Großmeister – und das ist nur eine von vielen Herausforderungen, die die junge Glücksbäckerin erwarten. Noch kniffliger ist es, die drei Gespenster zu erlösen, die Rose auf Schritt und Tritt verfolgen. Und fast unlösbar das Problem, eine Mitschülerin zu retten, die sich mit schwarzer Magie eingelassen hat. Ohne Zweifel: eine der schwierigsten Backprüfungen, die Rose je meistern musste!

Verfasserin: Kathryn Littlewood ist Schriftstellerin, Schauspielerin und Comedian, lebt in New York, arbeitet oft in Los Angeles – und hat eine ebenso große Schwäche für pain au chocolat wie für Kinderbücher. Sie ist eine leidenschaftliche Köchin, aber eine fürchterliche Bäckerin und gibt zu, dass ihr noch nie ein Kuchen geglückt ist. Essen tut sie ihn dennoch für ihr Leben gern!

[S. Fischer Verlag (2019)]

Meine Meinung: Das hat richtig Spaß gemacht. Ich dachte schon das ein oder andere Mal, ob ich diese Reihe abbreche, jedoch haben die Cover mich immer wieder gekriegt. Aber dieser Teil war mal wieder richtig prima.

Rose ist für vier Tage auf ein Zauberbäckerinternat mit ihrer Freundin Nevika eingeladen. Dort „duellieren“ sich vier Mädchen und vier Jungs in der Küche mithilfe magischer Bäckereien um einen Ausbildungsplatz bei einem Großmeister. Natürlich sind das schon mal Grundvoraussetzungen für ein gutes Jugendbuch. Wir haben die Internatsituation, einen Wettbewerb, unterschiedliche Charaktere, kleine, verschiedene, lustige Tiere als Vertraute der Teilnehmer und ein großes Geheimnis, welches die Schule verbirgt. Das kann ja nur gut werden.

Ich fühlte mich prächtig unterhalten, wollte immer wissen, wie es weitergeht und die Seiten flogen nur so dahin. Da störte auch nicht, dass am Ende doch wieder Roses Familie auftauchen musste (warum nur?) und dass ich mir wieder mal mehr Gebacke mit tollen, geschichtsträchtigen Zutaten gewünscht hätte.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

Hier geht es zum 7. Teil

 

[Rezension] Als mein Bruder ein Wal wurde (Nina Weger)

Veröffentlicht 2. Mai 2020 von erlesenebuecher

Wattezeit, Urinbeutel & Gartentrampolin

Appetithäppchen: Darf man über das Leben eines anderen bestimmen? Und woher soll man wissen, was richtig und falsch ist, wenn man ihn nicht fragen kann? Belas großer Bruder Julius liegt im Wachkoma, die Familie soll eine Entscheidung treffen und steht kurz davor, auseinanderzubrechen. Und jetzt? Belas Freundin Martha würde zum Papst fahren. Der muss schließlich wissen, was in so einem Fall zu tun ist. Heimlich schlachten die beiden ihre Sparschweine, klauen eine Kreditkarte und begeben sich auf eine abenteuerliche reise nach Rom, um eine Antwort zu finden und Belas Familie zu retten.

Verfasserin: Nina Weger, 1970 geboren, war nach dem Abitur zunächst eine Saison lang als Seiltänzerin beim „Circus Belly“ beschäftigt, bevor sie eine Journalistenschule besuchte und als Redakteurin und Regieassistentin arbeitete. Heute lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern als freie Autorin in Hannover und schreibt unter anderem Drehbücher für bekannte Fernsehserien. Nebenbei leitet sie mit einer Freundin ehrenamtlich den „Kinderzirkus Giovanni“, der mit dem „Deutschen Kinderpreis“ ausgezeichnet wurde.

[Verlag Friedrich Oetinger (2019)]

Meine Meinung: Ein schwieriges Thema in einem Jugendbuch zu verarbeiten ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Aber Frau Weger gelingt es, diese zu meistern. Zugegeben der Anfang des Buches ist wirklich nicht leicht zu verdauen und schon heftig. Es schnürt einem die Luft weg und gerade als Mutter ist es schwer zu ertragen. Die Autorin schafft es, den Verlust, Schmerz und das Entsetzen so darzustellen, dass es nachvollziehbar ist, ohne einen völlig zu zerrreißen – gerade richtig für ein Jugendbuch.

Besonders wichtig ist es in einem solchen Moment die Geschwisterkinder nicht aus dem Blick zu verlieren, wobei es die Eltern oft gar nicht allein leisten können. Da müssen Hilfen von außen auftreten. Das passiert hier in Form eines Mädchens, dass selbst gerade einen schweren Verlust erleben musste. Gemeinsam starten Martha und Bela auf eine abenteuerliche Reise nach Rom. Ihr Ziel ist der Papst, der all die Fragen beantworten soll, die die Kinder sich in ihrem Herzen stellen.

Aber die Reise verläuft etwas anders als geplant und sie müssen viele Hürden überwinden. Allerdings ist es auch ein Verarbeitungs- und Reinigungsprozess, so dass sie am Ende vielleicht mehr erreicht haben, als sie dachten. Der Weg ist das Ziel.

Ein tolles Buch, das mir in Erinnerung bleiben wird.

Bewertung: 5 von 5 Punkten