Führerhauptquartier

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Er ist wieder da (Timur Vermes)

Veröffentlicht 25. November 2015 von erlesenebuecher

Führerhauptquartier, Zeitungskrämer & Henndi

Appetithäppchen: Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende standet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere – im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und „Gefällt mir“-Buttons.

Verfasser: Timur Vermes wurde 1967 in Nürnberg als Sohn einer Deutschen und eines Ungarn geboren. Er studierte in Erlangen Geschichte und Politik und arbeitete anschließend als Journalist. Er schrieb bis 2001 für die „Abendzeitung“ und den Kölner „Express“, dann arbeitete er für mehrere Magazine, zuletzt für die Mode- und  Fitness-Zeitschrift „Shape“. Seit 2009 veröffentlichte er als Ghostwriter vier Bücher, zwei weitere sind in Vorbereitung.

[Eichborn Verlag (2012)]

Meine Meinung: Schon lange lag das Buch auf meinem SuB. Ich habe es mir damals gleich nach der Veröffentlichung gekauft und wollte es immer lesen, aber, wer kennt es nicht, es sind sooo viele Bücher, die gelesen werden wollen. Nun ja, jetzt kommt der Film ins Kino, also musste ich das Buch natürlich vorher noch lesen.

Es ist wirklich gut, vor allem die Idee ist genial. Auch die Umsetzung gefiel mir, aber es gibt irgendwie doch zu viel „Aber“. Jedoch erstmal das Positive. Es gibt ein paar geniale Stellen in diesem Buch. Richtig laut lachen musste ich, als Hitler das Fernsehen kennen lernt. Natürlich schaut er nur Unterschichten-TV, z.B. diverse Richtersendungen mit einigen Mandys und Andys. Als er dann später nach dem Handy gefragt wird, sagt er, der ist bestimmt schon verurteilt. Ich fand’s lustig!

Ebenfalls sind die Szenen auf dem Oktoberfest und vor allem bei der NPD klasse. Sehr amüsant, voller Wahrheit und vor allem unterhaltsam.

Aber aber aber das Buch ist zwischendurch teilweise sehr langatmig und dadurch langweilig. Einige politischen Anspielungen auf das Jahr 2011 sind mir nun nach vier Jahren manchmal schon nicht mehr so geläufig und dadurch auch nicht mehr witzig.

Das größte Aber bekommt allerdings die Darstellung der Person Adolf Hitler. Satire darf alles. Das ist ja meist korrekt, aber ob ich das immer gut finde, ist eine andere Frage. Wie schon erwähnt, die Idee des Plots ist genial, aber eben auch auf Messersschneide. Hitler wird als netter, lustiger Onkel wahrgenommen (dargestellt?), der leider zu harmlos rüberkommt und man ertappt sich dabei, dass man ihn mag. Das will ich nicht und es ist ja auch kein Geschichtsbuch sondern ein subjektiver Roman von Herrn Vermes. Das muss einem klar sein, verschwimmt aber beim Lesen – leider!

Bewertung: 3,5 von 5 Punkten

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