Trümmer

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[Rezension] Weihnachten 1945 (Claus Hinrich Casdorf [Hrsg.])

Veröffentlicht 3. Januar 2018 von erlesenebuecher

Trümmer, Besatzung & Frieden

Appetithäppchen: Weihnachten 1945 – Deutschland lag in Schutt und Asche. Viele Familien waren noch auseinandergerissen, Millionen von Frauen und Müttern warteten in banger Sorge auf die Heimkehr ihrer Männer aus der Kriegsgefangenschaft. Die Versorgung mit Lebensmitteln war katastrophal. Doe Wohnungen konnten kaum geheizt werden, durch Ritzen und Spalten pfiff der Wind. Aber trotz allem war das Weihnachtsfest 1945 zum ersten Mal seit Jahren wieder ein Fest des Friedens, ein Fest der Hoffnung. Welche Sorgen und Nöte, Hoffnungen und Erwartungen sie ganz persönlich in den Weihnachtsfeirtagen begleitet haben, schildern Kirchenführer, Politiker, Verleger, Künstler, Publizisten und Schriftsteller in diesem Buch.

Verfasser: Claus Hinrich Casdorff, geboren am 6. August 1925, begann 1947 seine journalistische Laufbahn als politischer Redakteur beim NWDR, Hamburg. Er war u.a. Programmleiter verschiedener Ressorts und von 1982 bis 1990 Chefredakteur der FS-Landesprogramme des WDR.

[Deutscher Taschenbuch Verlag (2003)]

Meine Meinung: In dem Buch kommen 24 unterschiedliche Personen zu Wort, die von ihrer Erinnerung an das erste Weihnachtsfest nach dem Krieg erzählen. Einige der Erzähler sind auch mir heute noch ein Begriff, andere waren mir unbekannt. Es sind aber alles Leute des öffentlichen Lebens, neben einigen Journalisten, Politikern und Autoren, gibt es aber auch Schauspieler und Geistliche.

Ich dachte, ich lese es als eine Art literarischer Adventskalender, jeden Tag ein Bericht. Allerdings wurde daraus nicht so ganz etwas, da sich einige Berichte sehr hinzogen. Das Buch versprach nicht ganz das, was ich erwartet habe, allerdings waren meine Erwartungen eventuell auch zu hoch. Zum einen ist nicht jeder zum unterhaltsamen, kurzweiligen Schriftsteller geboren und zum anderen sollten die Erzähler sich nach mehr als 30 Jahren an ein Fest erinnern, dass viele vielleicht verdrängt haben bzw. in der Zeit mit anderen Dingen beschäftigt waren, so dass viel über die Zeit während des Umbruchs, des Kriegsendes berichtet wird, viel über die Zeit allgemein philosophiert wird, aber eben wenig konkret über die Lebensumstände im Winter 1945 erzählt wird. Einige tun dies aber, wie z.B. Leonie Ossowski, die so eindringlich über die Schwierigkeit ein Essen für den Heiligen Abend vorzubereiten berichtet und diese Berichte werden mir in Erinnerung bleiben, die anderen leider gar nicht.

Folgende Erinnerungen sind in diesem Buch enthalten:

  1. Heinrich Albertz: Celler Weihnachten
  2. Wolf Graf von Baudissin: Schmollende Götterdämmerung
  3. Klaus von Bismarck: Von Weihnachten zu Weihnachten
  4. Heinrich Böll: Hoffentlich kein Heldenlied
  5. Christine Brückner: Altgewordene Kinder des Dritten Reichs
  6. Fritz Brühl: Bilder aus einer verstörten Stadt
  7. Walter Dirks: Zwiespältige Erfahrungen
  8. Josef Ertl: Aufbruch aus der Stunde Null
  9. Heinz Friedrich: Versuch einer Erinnerung
  10. Martin Gregor-Dellin: Marginalien über kein Weihnachten
  11. Hildegard Hamm-Brücher: Weihnachtsgeschichte 1945
  12. Joseph Kardinal Höffner: Neuer Aufbruch des Glaubens
  13. Walther Leisler Kiep: Gespräch über alle Grenzen
  14. Heinz Kühn: Heimkehr aus dem Exil
  15. Siegfried Lenz: Eine Art Bescherung
  16. Richard Löwenthal: „Denk‘ ich an Deutschland“ von England aus
  17. Lola Müthel: Eine Schauspielerin in Deutschland
  18. Leonie Ossowski: Das Weihnachtsessen
  19. Klaus Piper: 1945. Einige Reflexionen, damals und heute
  20. Annemarie Renger: Die erste Friedensweihnacht – zur Zukunft entschlossen
  21. Luise Rinser: Von der Liebe zum Menschen
  22. Walter Scheel: Ohne Angst vor der Zukunft
  23. Franz Wördemann: Weihnachten 1945. Vergeblicher Versuch, einen Punkt zu vermessen
  24. Peter von Zahn: Weihnachten der Einsamen

Bewertung: 2,5 von 5 Punkten

Die vergessene Generation (Sabine Bode)

Veröffentlicht 24. März 2015 von erlesenebuecher

Trümmer, Trauma & Schweigen

Appetithäppchen: Sie haben den Bombenkrieg oder die Vertreibung miterlebt, ihre Väter waren Soldaten, in Gefangenschaft oder sind gefallen. Diese Kriegsvergangenheit zeigt auch heute noch in vielen Familien Spuren, bis in die zweite und dritte Generation hinein. Ein Buch nicht nur für die ehemaligen Kriegskinder, in etwa die Jahrgänge von 1930 bis 1945, sondern auch ein Buch, das den Jüngeren helfen wird, ihre Eltern besser zu verstehen.

Verfasserin: Sabine Bode (*1947) ist eine deutsche Journalistin und Buchautorin. Sie begann als Redakteurin beim „Kölner Stadt-Anzeiger“. Seit 1978 arbeitet sie freiberuflich als Journalistin und Buchautorin. Ihre Hörfunkbeiträge werden überwiegend im WDR und im NDR gesendet. Sabine Bode lebt in Köln. Bekannt wurde Sabine Bode insbesondere durch ihre Bücher über Kriegskinder. Sie deckte auf, dass kindliche Kriegstraumata oft jahrzehntelang unbewusst und unentdeckt bleiben und erst im Alter mit seinen zusätzlichen Belastungen offenbar werden.

[Klett-Cotta (2004)]

Meine Meinung: Die letzten Zeitzeugen einer wichtigen Ära leben jetzt noch und sollten gehört werden. In diesem Buch geht es vor allem um die Kinder im 2. Weltkrieg. Es wird hier die Sicht der deutschen Kinder, welche ausgebombt, geflüchtet sind, Familien verloren haben und viel zu schnell wie Erwachsene mit dem vielen Leid umgehen mussten, dargestellt.

Sabine Bode lässt viele Einzelschicksale zu Wort kommen, deren Geschichten nicht vergessen werden dürfen. Krieg ist nicht nur vordergründig grausam und die Schrecken des 2. Weltkrieges reichen weit und tief. Alle Beteiligten gehen verändert und gebrochen daraus hervor. Die Autorin beleuchtet eine Seite, die nicht oft Gehör bekommen hat. Die Deutschen waren die Täter und die Opfer waren in den Konzentrationslagern, so plakativ kann man es aber nicht sehen. Dem Buch gelingt es den schmalen Grad zu gehen, so dass die Schrecken und Folgen der Konzentrationslager nicht geschmälert werden. Das Licht wird nur auch auf die deutsche Bevölkerung gerichtet, welche oft nicht das Recht bzw. die Möglichkeit hatte, von ihrem Leid zu erzählen. Viele verdrängten es über Jahre, „man sprach nicht darüber“, „das haben doch alle mitgemacht“, „anderen ging es viel schlechter“. Nun wird aber im Laufe der Zeit klar, was der Krieg mit diesen Menschen gemacht hat. Er hat so viel zerstört, so viel ist noch nicht verarbeitet, geschweige denn ausgesprochen. Ein wichtiges Buch! Ein Buch gegen den Krieg und für die Opfer auf allen Seiten.

Leider ging es mir aber gegen Ende des Buches zu sehr um Traumaforschung allgemein.

Bewertung: 4 von 5 Punkten