Rezensionen 2009

Alle Beiträge in der Kategorie Rezensionen 2009

Der wunderbare Massenselbstmord (Arto Paasilinna)

Veröffentlicht 21. Juni 2012 von erlesenebuecher

Schicksale, Humor & Kaffeefahrt

(26.11.09)

Appetithäppchen: „Denkst du an Selbstmord? Du bist nicht allein!“ So lautet ein ungewöhnlicher Anzeigentext, der auf überraschend heftiges Interesse stößt. Niemals hätte der gescheiterte Unternehmer Onni Rellonen mit der Existenz so vieler Gleichgesinnter gerechnet, als er beschließt, seinem Leben ein Ende zu setzen. Aus einem zunächst vagen Vorhaben entwickelt sich ein konkreter Plan: Ein bus wird gechartert, um an einsamer Stelle gemeinschaftlich das Leben zu beenden. Am verabredeten Tag besteigen die unternehmungslustigen Selbstmordkandidaten schließlich guten Mutes das gemietete Gefährt – und starten ihre einzigartige Reise ohne Wiederkehr…

Verfasser: Arto Paasilinna, 1942 im lappländischen Kittliä geboren, ist einer der populärsten Schriftsteller Finnlands und wurde auch außerhalb seines Heimatlandes bereits mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Er hat bisher nahezu 40 Romane veröffentlicht, von denen viele verfilmt und die verschiedensten Sprachen übersetzt wurden.

Meine Meinung: Ich fand das Buch wirklich gut und sehr amüsant. Der Schreibstil ist, finde ich, typisch skandinavisch und entsprechend interessant, spannend und flüssig zu lesen.

Die Geschichte ist wirklich mal was anderes und stellenweise echt ganz lustig.

Etwas schade, fand ich, dass ich das Gefühl hatte, mehrere Schicksale wurden nur angerissen und keines so richtig durchleutet.

Bewertung: 3,5 von 5 Punkten

Verlag: BLT

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Wer die Nachtigall stört (Harper Lee)

Veröffentlicht 21. Juni 2012 von erlesenebuecher

Erwachsen werden, Rassismus & Boo

(12.07.09)

Appetithäppchen: Das Mädchen Scout und ihr Bruder Jem, die Kinder des Kleinstadt-Anwaltes Atticus Fink, wachsen in der heilen Welt väterlicher Obhut und Liebe auf und unter dem gestrengen Regiment der schwarzen Calpurnia. Wir sind in die Zeit unschuldiger Spiele versetzt, übermütiger Schul- und Ferienabenteuer, aber auch erster schmerzlicher Berührungen mit dem rätselvollen Dasein der Erwachsenen: Ist in jenem düsteren Nachbarhaus der schlimme Boo Radley wirklich von seinem Vater seit Jahren ans Bett gefesselt? Oder ist es gar Boo Radley, der ins alte Baumversteck für Scout und Jem Geschenke legt? Warum ist es denn Sünde, wenn Maudie Atkinson den ‚Engelsatem‘ ihrer Blumen liebt? Und wieso verdammen die Fußwaschenden Baptisten ‚alles was Freude macht?‘ Weshalb ist Vater Atticus der Schandfleck der Familie, weil er einen Neger verteidigt? Sind denn nicht alle Menschen gleich? Langsam dringt ahnungsvolle Furcht in dieses Reich der Kindheit, und Vater Atticus hat alle Mühe, Scout und Jem durch Spannungen und Zwiespälte, in die sie eine puritanisch engstirnige Umwelt stürzt, hindurchzuführen und ihren Glauben an den Menschen zu retten.

Verfasserin: Harper Lee (* 1926) bekam für diesen Roman den Pulitzer-Preis und eroberte sich im Sturm die Herzen von Millionen amerikanischer und nun auch deutscher Leser. Die aus Alabama gebürtige junge Harper Lee ist damit über Nacht weltberühmt geworden. Fremdsprachige Ausgaben ihres Buches erscheinen in fast allen Kultursprachen.

Meine Meinung: Das Buch hatte zeitweise ein paar Längen und ich bin nur schwer durch die ganzen Personenkonstellationen durchgestiegen.

Bis kurz vor Ende des Buches dachte ich auch, dass es irgendwie zu viele Erzählstränge gibt, aber zum Glück finden die am Ende alle zusammen.

Das Ende fand ich wirklich gut und sogar etwas überraschend. Sehr gut hat mir auch der Erzählstil und auch die Thematik gefallen.

Bewertung: 3 von 5 Punkten

Verlag: Rowohlt Verlag

Die Glasglocke (Sylvia Plath)

Veröffentlicht 20. Juni 2012 von erlesenebuecher

Dumpfheit, Gleichgültigkeit & Klinik

(30.03.09)

Appetithäppchen: „Es war ein verrückter, schwüler Sommer, dieser Sommer, in dem die Rosenbergs auf den elektrischen Stuhl kamen und ich nicht wusste, was ich in New York eigentlich wollte.“ Die Collegestudentin Esther Greenwood verbringt 1953 einen Monat als Volontärin einer Modezeitschrift in New York. Schonungslos protokolliert sie ihre Existenzkrise.

Verfasserin: Sylvia Plath, geboren 1932 in Boston, Massachusetts, starb 1963 in London. Sie, ‚die beste, aufregendste und rücksichtsloseste Dichterin ihrer Generation‘ (John Updike), hat mit ihrem einzigen Roman, der im Jahr ihres Selbstmords erschien, ein Jahrhundertbuch geschrieben, das auch heute nichts von seiner beklemmenden Faszination verloren hat.

Meine Meinung: Ich bin nun durch mit dem Buch und muss leider sagen, dass ich mich gerade zu Beginn so gar nicht in die Hauptperson reindenken konnte.

Ich fand das Buch bis zu dem Moment, wo sie in die Anstalt kam, überhaupt nicht gut. Es war kein roter Faden zu erkennen und man konnte, fand ich, eben überhaupt keine Sympathie oder Empathie für Esther empfinden. Dadurch hatte ich irgendwie gar keine Beziehung zu dem Buch. Vielleicht habe ich auch einfach etwas völlig anderes erwartet.

Gegen Ende fand ich es besser. Aber im Ganzen hat es viel mehr Fragen offen gelassen als beantwortet, so dass ich nach Beenden des Buches eher unzufrieden war.

Bewertung: 2 von 5 Punkten

Verlag: Suhrkamp

Deutschstunde (Siegfried Lenz)

Veröffentlicht 20. Juni 2012 von erlesenebuecher

Kunst, Pflicht & Zeitgeschichte

(09.03.09)

Appetithäppchen: Dies ist die Geschichte von Siggi Jepsen, Insasse einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche, dem in der Deutschstunde die Aufgabe gestellt wird, über ‚Die Freuden der Pflicht‘ einen Aufsatz zu liefern. In diesem Thema ist er zu Hause. Sein Vater, in Rugbüll der ’nördlichste Polizeiposten Deutschlands‘, war zu jener Zeit den Pflichten seines Amts in so rückhaltloser Leidenschaft ergeben, dass er nicht zögerte, 1943 einem Maler hohen Ansehens, von Jugend auf sein Freund, den in Berlin gegen ihn gefällten Spruch zu überbringen. Er überwacht sogar unnachsichtig die Einhaltung des Verbots künstlerischer Betätigung. Dem Lebensgesetz der Pflicht ist für ihn jedermann unterworfen. Siggi Jepsen ist zur Zeit dieser Ereignisse noch ein Kind, das in seiner Wachheit Zeut eines lautlosen Kampfes wird. Immer weiter entfernt er sich von seinem Vater, und alle Zuneigung gehört Max Ludwig Nansen und dessen farbglühenden Bildern. In der Rückerinnerung wird der Aufsatz zum Bericht seines Lebens, zum Versuch, sich selbst zu begreifen.

Verfasser: Siegfried Lenz wurde am 17. März 1926 in Lyck in Masuren geboren. Nach der Vetreibung aus Ostpreußen studierte er in Hamburg Philosophie, Literatur und Anglistik. 1950 wurde er Feuilletonradakteur der Zeitung ‚Die Welt‘ in Hamburg, wo er jetzt als freier Schriftsteller lebt. Siegfried Lenz ist ein realistisch-symbolischer Erzähler mit zeitnahen Themen. Er trat auch als Essayist, Dramatiker und Hörspielautor hervor. Meistens schildert er die Problematik des modernen Menschen, sein Scheitern und seine Bewährung in Schuld und Verantwortung.

Meine Meinung: Ich fand das Buch ganz gut. Es war zwar schon ab und zu langatmig und – weilig geschrieben.

Aber die Thematik und die Geschichte fand ich richtig spannend und interessant, auch wenn ich nicht durch alles immer durchgestiegen bin.

Es ist vor allem eine gute deutsche Geschichte. Nicht nur die damalige Zeit und ihre Widersprüche werden lebendig dargestellt, sondern auch die Prägung durch die Eltern und das “In-der-eigenen-Haut-gefangen-sein‘.

Bewertung: 3 von 5 Punkten

Verlag: Hoffmann und Campe Verlag

Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli (Andrew Sean Greer)

Veröffentlicht 20. Juni 2012 von erlesenebuecher

Anfang, Ende & Rückwärts

(29.01.09)

Appetithäppchen: „Jeder von uns ist die Liebe im Leben eines anderen“, beginnt Max Tivoli die unerhörte Geschichte seines Lebens, das sich in einem Detail von allem unterscheidet. Und dieses Detail hütet er wie ein Geheimnis: Alt geboren, wird er seinem Ende entgegen zum Kind. Als das Erdbeben San Francisco erschüttert, ist er Mitte dreißig, und gegen Ende seines Lebens werden die ersten Radios in die Autos eingebaut. Die Achse, um die sich sein Leben dreht, heißt Alice. Max liebt sie sein Leben lang, doch als sie jung ist, wirkt er alt. Erst viel später schlagen die Uhren der beiden für kurze Zeit im gleichen Takt und ihre Liebe erhält eine zweite Chance. Doch auch sie bleibt nicht von Dauer. Selten wurde die Tragik und das Glück einer sich verfehlenden Liebe so packend inszeniert wie hier.

Verfasser: Andrew Sean Greer lebt in San Francisco. Richard Ford zeichnete 1996 eine seiner Geschichten mit dem Ploughshares’s Cohen Award for Best Short Story aus. 2000 erschien der Erzählband ‚How It Is For Me‘.

Meine Meinung: Ich wollte das Buch unbedingt gelesen haben, bevor ich Benjamin Button im Kino sehe.

Allerdings war es ziemlich mühsam. Ich fand den Schreibstil nicht besonders, so dass ich auch keinen richtigen Leserhythmus hatte.

Ich fand es sehr schade, dass aus der wirklich guten Geschichte nicht mehr gemacht wurde…. es hätte fesselnd werden können.

Bewertung: 2 von 5 Punkten

Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag